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Tagungsbericht: Virtueller Hochschulraum NRW, Dortmund



Am 7. April 2000 fand im Kongresszentrum der Westfalenhallen Dortmund eine Tagung zum Thema ,,virtueller Hochschulraum NRW`` statt. Ausgerichtet wurde die Tagung vom Kompetenznetzwerk Universitätsverbund Multimedia NRW (UVM). Geboten wurde den ca. 400 Teilnehmern aus dem ganzen Bundesgebiet vielfältige Informationen zum Themenkreis MULTIMEDIA.

Insbesondere der einleitende Vortrag der Ministerin für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW, Frau Gabriele Behler, stellte die große Bedeutung von MULTIMEDIA für die Hochschulen, die verschiedenen Schulformen und die Weiterbildung dar. Sie hob insbesondere die Brückenfunktionen von MULTIMEDIA-Produkten innerhalb einer Hochschulen und die übergreifenden Aspekte im Bereich der Schulen, Weiterbildung und Hochschulen hervor. Anschließend gab Sie einen Überblick über die aktuellen Förderungsmöglichkeiten für MULTIMEDIA-Projekte im Land Nordrhein-Westfalen und wies auf die neue Förderprogramme des Landes NRW sowie des Bundes hin.

In einem Plenarvortrag wurde das neue Förderprogramm ,,Neue Medien in der Bildung`` vorgestellt. Als Projektträger für dieses Programm ist die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD, Sankt Augustin) vom BMBF benannt worden. Herr Dr. H.-G. Klaus von der GMD stellte die Ziele des Programms vor und gab Hinweise für die Antragstellung (siehe auch: http://www.gmd.de/NMB/PT-NMB.html). Nachfragen zu den Inhalten und zum Antragsverfahren konnten geklärt werden. Der Termindruck bis zum Einreichen der Projektskizze (30.6.2000) wurde von vielen Anwesenden als belastend gesehen.

In vier Parallel-Vortragsreihen wurden Schwerpunkte beim Erstellen von MULTIMEDIA-Produkten vertieft behandelt. Dies waren insbesondere die Aspekte:

  1. Entwicklungswerkzeuge,
  2. Visualisierungskonzepte,
  3. interaktive Umgebungen und
  4. didaktische Modelle.
In diesen Veranstaltungen wurden einige der vom UVM geförderten Projekte einem breiteren Publikum vorgestellt, wobei sowohl die technische Realisierung als auch die didaktischen Aspekte behandelt wurden. Eine kurze Diskussion schloss sich jeweils an die Vorträge an. Interessant war, dass viele Projekte mittlerweile für verschiedene Zielplattformen (z.B. WWW, Macromedia-Director, Toolbook) produzieren. Um den Arbeitsaufwand dafür so gering wie möglich zu halten, verwenden die Projekte meist eine vorgeschaltete Metasprache, aus der sich dann der spezielle Code für die benötigte Zielplattform erzeugen lässt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ergibt sich dabei automatisch: Das Produkt lässt sich über längere Zeit besser ergänzen und warten, da nur die Eingabe in der Metasprache verändert werden muss, die verschiedenen Zielplattformen werden dann automatisch erzeugt. Auch sind Änderungen am Funktionsumfang der Zielplattform relativ einfach zu implementieren.

Ein weiterer Plenarvortrag beschäftigte sich mit der Nutzung der neuen Medien. Es wurde auf das Spannungsfeld Werkzeug - Spielzeug der neuen Anwendungen eingegangen. Dabei wurde insbesondere darauf hingewiesen, dass Kinder gegenüber den neuen Medien erheblich weniger Berührungsängste zeigen als ältere Personen, da sie Computer mehr explorativ erfahren und nicht zielgerichtet ergründen wollen.

Auf der abschließenden Podiumsdiskussion unter dem Motto ,,Virtueller Hochschulraum NRW - Perspektiven`` diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus dem politischen Umfeld, den Hochschulen und der Wirtschaft über dieses Thema. Einbezogen wurden auch viele Beiträge aus dem Publikum. Die Frage, ob MULTIMEDIA die Lehre wirklich verbessert, wurde heftig und kontrovers diskutiert, diese Diskussion konnte nicht zu einem Abschluss gebracht werden. Die politischen Vertreter forderten die Hochschulen auf, MULTIMEDIA intensiv einzusetzen, zur eigenen Profilbildung zu nutzen und auch für andere Bereiche (z.B. Weiterbildung) einzusetzen und sich somit neue Felder zu erschließen. Letzteres wurde allerdings von den Hochschulvertretern in Anbetracht von Stellenkürzungen (Qualitätspakt NRW) nur sehr zurückhaltend aufgenommen.

Diese Tagung zeigte den großen Stellenwert von MULTIMEDIA im Bildungsbereich NRW auf. So lassen sich insbesondere größere Studierendenzahlen leichter bewältigen und auch der Aspekt des lebenslangen Lernens wird mit solchen Mitteln und Methoden erleichtert. Die Aktualität der Veranstaltung zeigt sich auch darin, dass - obwohl sie auf spezielle Aspekte in NRW ausgerichtet war - ein großes Interesse auch über die Landesgrenzen hinweg zu verzeichnen war. Dies sollte die Veranstalter dazu ermutigen, trotz des organisatorischen Aufwandes, solche Veranstaltungen in regelmäßigen Abständen zu wiederholen, insbesondere auch deshalb, weil sich der MULTIMEDIA-Bereich permanent im Wandel befindet und immer neue Produkte und Möglichkeiten entwickelt werden. Mehrfachentwicklungen lassen sich in der heutigen Zeit der knappen Kassen nicht mehr verantworten. Dies zeigen auch die neuen Förderprogramme, die gerade Kooperationen verschiedener Disziplinen der Hochschulen (in einem Bundesland bzw. länderübergreifend) fördern und die Modularität und Portierbarkeit der entwickelten Software zum Ziel haben.


Dr. Manfred Thibud
Hochschulrechenzentrum
Universität Dortmund
D-44221 Dortmund
E-Mail: m.thibud@hrz.uni-dortmund.de



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