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     Buchbesprechungen



Martin Hitz und Gerti Kappel: UML@Work - Von der Analyse zur Realisierung,

dpunkt.verlag, 1999. ISBN 3-932588-38-X, Preis 78 DM


Wer ein Buch über UML schreibt, steht vor der Frage, wie mit der Fülle von UML-Sprachkonzepten umzugehen ist. Können weniger wichtige Konzepte unberücksichtigt bleiben, damit dem Leser ein leichterer Einstieg und eine bessere Übersicht gewährt wird? Oder soll der Vollständigkeit halber möglichst alles dargestellt werden? Gerti Kappel und Martin Hinz haben sich dafür entschieden, möglichst umfassend und tiefgreifend zu informieren. Wer sich mit fundiertem Vorwissen über Objektorientierung intensiv in die UML einarbeiten möchte, ist mit diesem Buch deshalb gut bedient. Es ist weniger geeignet für den ersten Einstieg, denn die Autoren setzen grundlegende Kenntnisse über Objektorientierung voraus.

Das vorliegene Buch gliedert sich grob in drei Teile. Zunächst wird sehr umfassend in UML eingeführt. Dann folgt die Beschreibung eines einfachen Prozessmodells, das danach zur Lösung einer relativ komplexen Aufgabe herangezogen wird. Im Anhang des Buches findet sich noch ein Vergleich verschiedener Werkzeuge, die die UML unterstützen. Mitgeliefert wird auch eine CD, die den Entwurf des Beispiels und seine Implementierung in Java enthält.

Bei der Einführung in die UML gehen die Autoren sehr in die Tiefe. Der Leser findet hier auf etwa 150 Seiten viele Details der UML erläutert und Antworten auf viele Fragen. In Exkursen, die natürlich auch zunächst einmal überlesen werden können, werden Hintergrundinformationen zu bestimmten objektorientierten Konzepten zur Verfügung gestellt. Die einzelnen Notationen werden unabhängig davon, in welcher Tiefe sie in welcher Phase der Enwicklung benutzt werden, vorgestellt. Für einen unbedarfter Leser besteht allerdings die Gefahr, dass die Fülle der vorgestellten Details den Blick für die wesentlichen Zusammenhänge verstellen könnte. Ein weiteres Problem besteht darin, dass das zur Modellierung eingesetzte Werkzeug u.U. nicht alle vorgestellten Ausdrucksmöglichkeiten der UML unterstützt.

Nach den Sprachkonstrukten der UML stellen die Autoren sehr kanpp ein einfaches Vorgehensmodell vor, das sie in Kontrast zu dem Rational Unified Process sehen und deshalb Irrational Separated Process nennen. Auch wenn mir an einigen Stellen Relationen zwischen den einzelnen Komponenten der zu erstellenden Modelle fehlen, halte ich dieses Vorgehensmodell für leicht verständlich und deshalb für gut geeignet, um sich mit den Aufgaben der verschiedenen Notationen in den einzelnen Entwicklungsphasen vertraut zu machen.

Anhand eines komplexen Beispiels, eines Programms zur Verwaltung von mehreren Terminkalendern, wird dann vorgeführt, wie UML den Entwickler bei Anforderungsbeschreibung, Analyse und Entwurf unterstützt. Hier wird auf etwa 120 Seiten Schritt für Schritt die Entwicklung eines Modells vorgeführt. Das ist vielfach hilfreich, wenn man sich mit ähnlichen Modellierungsfragen beschäftigt. Man benötigt aber sehr viel Zeit, um den Autoren bis zum Entwurf zu folgen. Ein punktuelles Lesen dieser Kapitel ist schwierig.

Im Anhang findet sich eine Beurteilung von UML-Werkzeugen. Die Ergebnisse derartiger Vergleiche veralten natürlich auf diesem Markt sehr schnell, so dass der Nutzen dieses Anhangs zu bezweifeln ist. Das von uns erfolgreich eingesetzte Werkzeug TogetherJ bleibt beispielsweise unberücksichtigt. Auf den im Buch angegebenen WWW-Seiten finden sich leider auch keine neueren Ergebnisse.

Erfahrungen mit dem Buch Das Buch hat mir zur Vorbereitung des Software-Praktikums im Rahmen des Grundstudiums der Infomatik an der Universität Dortmund gute Dienste geleistet. Aus der Fülle dervorgestellten UML-Konzepte wurden die ausgewählt, die die Studenten bei der Entwicklung komplexer Software benutzen sollten. Zusätzlich ist immer noch ein Abgleich mit den vom eingesetzten Werkzeug zur Verfügung gestellten Sprachkonzepten nötig.

Als Lehrbuch zum Selbststudium scheint mir UML@Work für Studienanfänger nicht geeignet, sicher aber für Hauptstudiumsstudenten und Software-Entwickler, die sich intensiv mit der UML auseinandersetzen wollen.

Das vorgestellte einfache Prozessmodell hat mir gut gefallen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es in kleineren Projekten oder in einem Pilotprojekt, um erste Erfahrungen mit UML zu sammeln, sinnvoll eingesetzt werden kann. Allerdings habe ich es für meine Anfängerlehrzwecke noch weiter abgespeckt.

Fazit Zusammenfassend empfehle ich das Buch allen, die bereit sind, sich intensiv mit der UML auseinanderzusetzen und die wissen, dass objektorientierte Software-Entwicklung ein aufwendiges Geschäft ist.


Doris Schmedding, Universität Dortmund, Informatik 10 (Software-Technologie), D-44221 Dortmund, Doris.Schmedding@cs.uni-dortmund.de



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