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     Buchbesprechungen



K. Frühauf, J. Ludewig und H. Sandmayr:
Software-Projektmanagement und -Qualitätssicherung, 3. Auflage, 2000


Mit der 3. Auflage dieses bewährten Buches liegt eine stark überarbeitete und erweiterte Version vor. Der Umfang ist um fast einen Drittel auf 170 Seiten angewachsen, das Schriftbild wurde wesentlich verbessert, mehr Abbildungen laden zur Lektüre ein. Und der Inhalt?

Die Autoren Prof. Dr. J. Ludewig von der Uni Stuttgart und K. Frühauf und Dr. H. Sandmyr von der Infogem AG in Baden haben offenbar ein gutes Gespür für die Konstanten und Veränderlichen des Projektmanagements. Konstant wichtig geblieben sind Themen wie Projektplanung und -organisation, Meilensteine und Aufwandschätzungen, Software-Konfigurationsverwaltung, Prüfungen und Abnahme.

Veränderungen erfahren hat das Projektmanagement nicht im operativen Vorgehen, sondern in der qualitativen und quantitativen Überwachung. Das vorliegende Buch definiert dazu die neue Rolle des ``Projekteigentümers'' (und entschuldigt sich auch gleich für die durchgängig männlichen Bezeichnungen der Rollen). Tatsächlich entspricht diese Rolle in grossen Organisationen einem echten Bedürfnis. Der Projekteigentümer (engl. project owner) interessiert sich u.a. für die Probleme und Risikobeurteilungen des IT-Projektleiters und überwacht den Projektfortschritt. Ich wünschte mir, dass dieses Buch dazu beiträgt, dass sich Linienmanager vermehrt um ihre Projekte kümmern. Die dazu erforderlichen Instrumente werden in diesem Buch anschaulich vorgestellt: Bewertung des Erreichten (wider das ``90 ergebnisbezogene Berichterstattung mit Kennzahlen wie ``Fertigstellungsgrad'', ``Aufwandstreue'' und sogar ``Schätzgüte''. Für die Beurteilung des Projektstandes wird das Instrument der Meilenstein-Trendanalyse eingeführt und an Beispielen erläutert. Warum etwas so Aussagekräftiges nicht längst Pflichtteil jedes Projektberichtes ist, erscheint schleierhaft - oder wird erst verständlich, wenn man bedenkt, dass der Grossteil der Projektmanagment-Methoden seit vielen Jahren bekannt sind und trotzdem kaum konsequent angewendet werden.

Grosse Veränderungen seit der 2. Auflage des Buches von 1991 betreffen die Software-Qualitätssicherung. Damals wurde die projektnahe QS als Erfolgsrezept für grosse Projekte gepriesen, in der Zwischenzeit hat sich daraus das unternehmensweite ``Quality Managament'' im Sinne von ISO 9001 entwickelt. Projektspezifisch übrig geblieben sind die Software-Prüfungen in Form von Dokumenten-Reviews, Programm-Tests und Projekt-Audits. In meinen Augen zu Unrecht wurden in der neuen Auflage die Projekt-Audits aus dem Kapitel der Software-Prüfungen gestrichen. Ich beurteile sie immer noch als zeitgemässe und vom Management akzeptierte Form der Projektprüfung. Das Qualitätsmanagement wird knapp und unter dem Motto ``Nutzen für das Projekt'' beschreiben. Seien dies Qualitäts-Controlling, Kennzahlen, Audits, Assessments, Fehlerkosten oder Prozessqualität, stets steht der Nutzen für das Projekt und das zu realisierende Informationssystem im Zentrum.

Als hilfreich bewerte ich auch das aktualisierte und erweiterte Literaturverzeichnis am Schluss des Buches. Neu sind auch eine Übersicht über die einschlägigen IEEE- und ISO-Normen zum Software Engineering und Hinweise auf Internet-Seiten aufgeführt (z.B. auf www.informatik.uni-stuttgart.de/ifi/se).

Natürlich hätte ich mir eine zusätzliche Ausdehnung des Stoffes auf die späten Phasen des Projektes gewünscht: Einführung in den Betrieb, Software-Verteilung, Rollout mit Benutzerschulung und Pilotbetrieb, Aufbau eines Maintenance-Teams mit Helpdesk u.ä. sind zusätzliche Erfolgsfaktoren für ein IT-Projekt. Auch eine explizite Anlehnung der präsentierten Ideen an die Reifestufen des bewährten ``Capability Maturity Models'' wäre für eine Priorisierung der anstehenden Verbesserungsmassnahmen in der Praxis hilfreich gewesen.

Dies schmälert jedoch nicht das Verdienst der Autoren, mit der vorliegenden Überarbeitung ein übersichtliches, wertvolles und praxisnahes Handbuch geschaffen zu haben, das nicht nur in die Hand jedes Projektleiters und IT-Quality Managers gehört, sondern auch auf den Lesestapel jedes modernen IT-Managers.

Arnold Q. Scheuing
e-Mail: Arnold.Scheuing@Swisscom.com Anschrift: Dr. A.Q.Scheuing, Swisscom AG, CIT-MSU, Postfach, 3050 Bern




J. Leslie KEEDY:
In Stufen zum Ziel -- Zur Einführung von Bachelor- und Master-Graden an deutschen Universitäten

Raabe Fachverlag für Wissenschaftseditionen, DUZ-Edition, Stuttgart 1999; ISBN 3-88649 - 361 - X; DM 34,70.


Sind Sie auch immer so verwirrt, wenn der Globalisierungsdruck auf die Universitäten ausgeübt wird -- mit dem schönen Argument, nur der Bachelor und der Master könnten die Universitäten angesichts immer enger werdender internationaler Verflechtungen retten? Wissen Sie auch nicht so recht, was Sie Ihnem Gegenüber antworten sollen, wenn er oder sie mit verträumtem und gleichzeitig herausforderndem Augenaufschlag verkündet, die gute alte Universität müsse nun endlich auf den Müll geworfen werden, damit die weltumspannende Kraft der englischsprachigen Studienmodelle endlich greifen könne? Dann ist das Buch für Sie endlich da.

Professor Keedy, Ordinarius für Informatik an der Universität Ulm, Adjunct Professor an der Monash University in Melbourne (Australien), setzt sich mit seinem Buch mit der Diskussion um die Einführung von Bachelor- und Master-Graden auseinander. Der Verfasser bietet optimale persönliche Voraussetzungen für eine fachkundige und nüchterne Auseinandersetzung mit dem Thema: als Inhaber eines BA (Hons)-Grades aus Oxford und Professor an australischen und deutschen Universitäten ist er ein wenig ein Wanderer zwischen zwei Welten, auch wissenschaftlich ist er gewandert -- von der Theologie zur Informatik (ich habe bei manchen Kollegen in der Informatik freilich den Eindruck, sie invertieren diesen Weg). Herr Keedy macht keinen Hehl daraus, daß er eine Reform der deutschen Studiengänge für bitter notwendig hält, und er hält Bachelor- und Master-Studiengänge für einen geeigneten Weg, freilich nicht unbedingt aus den Gründen, die unsere Hochschulpolitiker und Reformer von eigenen Gnaden anführen.

Der Verfasser zeigt zunächst auf, daß vielfältige Spielarten, nationale Traditionen und auch lokale Eigenarten den Umgang mit vielen Varianten Bachelor- und Master-Studiengängen prägen, Varianten, die gleichwohl unter derselben Bezeichnung laufen. Zwischen einem BA aus, sagen wir, Cork und einem BA(Hons) aus Dublin können Welten liegen, ein MA einer amerikanischen Universität kann den Eintritts- oder den Austrittspunkt aus einem Ph. D. Programm bedeuten (als Mitglied des Graduate Committee einer amerikanischen Universität lernte ich schnell, bei der Beurteilung von Studenten nach der lokalen Philosophie der verleihenden Universität bei der Verleihung des Master zu schauen). Schlußfolgerung: in der angelsächsischen Welt werden zwar einheitliche Titel verliehen, man muß jedoch sehr genau hinschauen, was sich dahinter verbirgt. Beschämenderweise ist die deutsche Hochschulrektorenkonferenz dazu wohl nicht in der Lage, wie der Verfasser am Beispiel zeigt.

Also -- vielleicht doch kein Modell für uns? Professor Keedy sagt: doch, aber man muß sich schon ein wenig mehr Mühe machen und genauer fragen, warum die angelsächsischen Modelle eigentlich so gut arbeiten. Die Antworten sind bisweilen ein wenig technisch und sollen hier nicht im Detail angeführt werden, es sollen jedoch wenige Punkte herausgegriffen werden:

Der Verfasser befaßt sich auch mit dem Argument der Internationalisierung der deutschen Universitäten aus Gründen des Bildungsexports, er zeigt auf, daß der traditionelle Bildungsmarkt in Afrika und Asien längst in angelsächsischen Händen ist. Ein Versuch, diesen Markt mit deutschen Imitaten zu erobern, erscheint ihm als nicht zielführend. Vielmehr zeigt er auf, daß Osteuropa als traditionelles deutsches Einflußgebiet einen angemessenen und interessanten Markt für ein deutsches Bildungsangebot neuen Stils bieten kann, falls diese als vital charakterisierte Chance nicht verschlafen oder durch unnütze, nachahmende Experimente vertan wird.

Kommentierte Musterprüfungsordnungen runden das Buch ab.

Insgesamt legt Keedy einen nüchternen und wohlinformierten Beitrag zu einer aktuellen Diskussion vor. Seine Argumente für die Einführung solcher Studiengängen sind insbesondere auch deshalb überzeugend, weil sie einige Mißverständnisse und leichtgewichtige Argumente in die richtige Perspektive bringen und tiefere Argumente, die sich aus der Logik eines wissenschaftlichen Studiums ergeben, zur Begründung heranziehen. Seine Argumentation ist sachlich (die Polemik stammt ausschließlich von mir), auch da, wo angesichts der Zitate aus der deutschen bildungspolitischen Diskussion eher homerisches Gelächter angesagt wäre.

Wenn Sie Interesse an diesem vitalen Thema haben und eine nützliche, sachliche parteiische Erörterung suchen, so ist dies sicher nicht das ungeeignetste Buch.

Ernst-Erich Doberkat, Lehrstuhl für Software-Technologie, Universität Dortmund



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