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Konferenzbericht über die STJA'99 mit den Workshops MIK und NMFL sowie über die GCSE'99 mit dem Workshop GCSE YRW


Elke Pulvermüller
pulvermueller@acm.org


In Erfurt (Kongreßzentrum Messe Erfurt AG) fand vom 28. bis zum 30. September 1999 die fünfte Fachkonferenz Smalltalk und Java in Industrie und Ausbildung}} (STJA) statt.
Zum erstenmal wurde in diesem Rahmen das internationale Symposium Generative and Component-based Software Engineering (GCSE) durchgeführt.
Abgerundet wurden die Veranstaltungen durch zwei Workshops: Multimediale Informations- und Kommunikationssysteme (MIK) und Neue Medien in Forschung und Lehre (NMFL).
Die GCSE startete bereits bei ihrer ersten Veranstaltung mit einem eigenen Workshop, dem GCSE Young Researchers Workshop (GCSE YRW).


Entwicklungen und Intentionen

Die Konferenz STJA wird seit 1995 in Tühringen (Ilmenau, Suhl und Erfurt) veranstaltet. Aufgrund der stetig gestiegenen Teilnehmerzahl wurde sie 1999 erstmals im geräumigen Messegelände in Erfurt abgehalten. Veranstalter der Konferenz waren STJA e.V. Ilmenau, tranSIT GmbH Ilmenau, TU Ilmenau (Fakultät für Informatik und Automatisierung), GH Essen (Fachbereich Mathematik und Informatik), Universität Koblenz-Landau (Institut für Wirtschaftsinformatik) unter der personellen Leitung von Prof. Dr. Rainer Unland (Uni-GH Essen) und Prof. Dr. Bogdan Franczyk (Uni-GH Essen).

Ziel der STJA ist die Schaffung eines internationalen Forums für den Erfahrungs- und Wissenstransfer über aktuelle Themen auf dem Gebiet der Softwareentwicklung im Allgemeinen und der objektorientierten Konzepte und Technologien im Besonderen. Neben Aktivitäten und Ergebnissen aus Forschung und Lehre werden auch die Erfahrungen der industriellen Praxis vorgestellt und ausgetauscht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den objektorientierten Programmiersprachen Smalltalk und Java.

Der begleitende fünfte Workshop MIK wird vom Fachgebiet Telematik der TU Ilmenau (Fakultät für Informatik und Automatisierung) seit 1995 einmal im Jahr veranstaltet. Erstmalig fand er 1999 (organisiert von Prof. Dr. Dieter Reschke, TU Ilmenau) im Rahmen der Konferenz STJA statt und ergänzt diese um Themengebiete aus dem Bereich netzbasierter Systeme.
Der erste Workshop MNFL vertiefte den Aspekt der Wissensvermittlung mit Hilfe neuer Ansätze.

Das erste GCSE Symposium unter dem Dach der STJA ist aus den Tagungen des Arbeitskreises Generative und komponentenbasierte Softwareentwicklung heraus entstanden. Der Arbeitskreis wurde innerhalb der Fachgruppe 2.1.9 (Objektorientierte Softwareentwicklung) der Gesellschaft für Informatik (GI) 1997 von Prof. Dr. Manfred Broy (TU München), Dr. Krzysztof Czarnecki (DaimlerChrysler) und Prof. Dr. Ulrich Eisenecker (FH Kaiserslautern) gegründet und veranstaltet bereits seit 1997 Tagungen im Rahmen der STJA. Stark zunehmendes Interesse an der automatisierten Komposition von Softwaresystemen aus abstrakten und konkreten Bausteinen führte nicht nur zur Entstehung dieses ersten GCSE Symposiums, sondern auch zu starkem Zuspruch, der sich in der Zahl der Einreichungen und der Besucher der Vorträge widerspiegelte.

Begleitend zum GCSE Symposium fand auch der erste GCSE Young Researchers Workshop (organisiert von Andreas Speck und Elke Pulvermüller, Universität Tübingen) statt. Ziel dieses Workshops ist der Austausch zwischen Wissenschaftlern, die ihre Forschung auf dem Gebiet der generativen, komponenten-basierten oder verwandten Techniken erst beginnen. Die vorgestellten Arbeiten werden von erfahrenen Experten auf diesem Gebiet kommentiert und motiviert.


Programm

Der Dienstag (28. September) führte in die Themengebiete mit zwei Blöcken von jeweils sechs parallelen, drei Stunden dauernden Tutorials ein. Zahlreiche Teilnehmer hatten die Gelegenheit, von den Aktivitäten, der Forschung und den Meinungen namhafter Experten aus Industrie und Hochschule zu erfahren und im Anschluß offene Fragen zu diskutieren. Die Tutorials von Jim Coplien (Bell Labs Lucent), Ira Baxter (Semantic Designs Inc.), und von Don Batory (University of Texas) standen in diesem Rahmen in engem Zusammenhang zum GCSE Symposium und dessen Themenschwerpunkten.

Der Abend bot die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Ausflug nach Weimar oder alternativ zum Besuch des parallel laufenden GCSE Young Researchers Workshop.

Vor einem etwa 60 Personen starken Publikum, konnten im GCSE YRW zwölf Wissenschaftler ihre ersten Ergebnisse und Ideen auf dem Gebiet der generativen und komponenten-basierten Softwareentwicklung kurz vorstellen. Die Experten Don Batory, Ira Baxter, Robert Glück (Universität Kopenhagen) und Mira Mezini (Universität Siegen) gaben anschließend hilfreiche und nicht nur für die Autoren sondern für das gesamte Publikum wertvolle Kommentare zu den Arbeiten. Jim Coplien moderierte den Ablauf professionell und ergänzte eigene Kommentare. Nach dieser dreistündigen Veranstaltung bot ein anschließendes Dinner im Messegelände die Gelegenheit zu vertiefenden Diskussionen, die auch bis zur Schließung des Messegeländes begeistert genutzt wurde.

Der Morgen des Mittwochs war bestimmt durch drei Keynotes von Jim Coplien, Dr. Adele Goldberg (Neometron, Inc.) und Sean Baker (IONA Technologies). Zwei weitere Tutorials (von Dr. A. Goldberg mit D. Leibs und Dr. H. Meyer) sowie die Vortragsreihe im Rahmen der GCSE, die drei Vortragsreihen der STJA und Produktvorträge fanden am Nachmittag parallel statt. Die Vortragsreihen umfaßten jeweils 6 Vorträge. Teilnehmer konnten zwischen den Themen Aspects in der GCSE Vortragsreihe und Middleware, Frameworks und Entwurfsmuster, Datenbanksysteme und Java I der STJA Themenreihe im ersten Teil, zwischen den Gebieten Generative Approaches (GCSE) und Datenbanksysteme und Verteilung, Modellierung und Komponentenbasierte Softwareentwicklung (STJA) im zweiten Teil auswählen.

Nach der Keynote von David A. Thomas (Carleton University, Object Technology International Inc.) lud der Abend alle Besucher zum Abendbankett mit Unterhaltung und Musik im Messegelände ein. Parallel fand wie schon im vergangenen Jahr das Treffen der German Smalltalk Users' Group (GSUG) statt.

Das Programm des Donnerstags war ähnlich zu dem am Mittwoch gestaltet. Beginnend mit zwei Tutorials von Dr. Ira Baxter und Brad Cox (George Mason University) hatten die Teilnehmer am Nachmittag wieder die Qual der Wahl zwischen den beiden Tutorials von J. Zimmermann und M. Jäkle, den Vorträgen des GCSE Symposiums oder aber der STJA. Die Themenblöcke der GCSE waren Language Composition, Component-oriented Language Idioms und Domain Analysis and Component-based Development. Die STJA bot interessante Vorträge mit den Themenüberschriften Datenbanksysteme und Java II, Anwendungen, Smalltalk/Java, Web-based Computing, Java/Smalltalk Anwendungen, Java/Smalltalk, Performance und Sicherheit, Java/Smalltalk und Smalltalk/Java.

Anstelle von Produktvorträgen, die nur am Mittwoch stattfanden, veranstaltete am Donnerstag der Workshop MIK eine Vortragsreihe über die Themen Informationsmanagement im Internet, Netzsicherheit, Fehlerbehandlung und QoS Management und Internet-Anwendungen.


Weitere Informationen

Dieser Konferenzbericht kann nur einen Überblick über die Veranstaltungen und deren Inhalte geben. Detailliertere Informationen über die Fachkonferenz STJA finden sich unter

http://www-stja.transit-online.de

Unter dieser URL sind auch die Abstracts zu den Vorträgen zugänglich. Die ausführlichen und vollständigen Berichte zu den Vorträgen der STJA und GCSE sind in den Konferenz-Proceedings nachzulesen. Die Proceedings wurden dieses Jahr erstmals in Form einer CD-ROM veröffentlicht.

Die in Vorträgen vorgestellten Beiträge im Rahmen der GCSE werden in nächster Zeit in den Lecture Notes of Computer Science (LNCS) des Springer-Verlags erscheinen.

Ausgangspunkt für weitergehende Informationen über die Themenfelder des GCSE Symposiums ist:

http://www.prakinf.tu-ilmenau.de/~czarn/generate

sowie über den ergänzenden GCSE YRW:

http://www-pu.informatik.uni-tuebingen.de/users/speck/GCSE99_Young_Research/index.html


Fazit und Ausblick

Ein klar strukturiertes Programmheft zusammen mit einer erstklassigen Organisation der gesamten Veranstaltung führten trotz dicht gedrängtem Programm zu einer Übersichtlichkeit, die die bewußte Auswahl der Veranstaltungen ermöglichten. Mit 6 Keynotes, 16 Tutorials, 70 Vorträgen, 130 Referenten und 370 Teilnehmern war die STJA und GCSE auch 1999 ein großer Erfolg. Das ausgewogene und vielfältige Programm bot für alle Interessensgruppen aus Hochschule und Industrie aktuelle Informationen, Anregungen und Raum für einen auch über die reinen Veranstaltungen hinausgehenden wissenschaftlichen und praktischen Austausch. Produktvorträge und Produktpräsentationen ermöglichten den direkten Kontakt zu Unternehmen und deren Produkten auf der einen Seite. Zum anderen eröffneten die Tutorials, Konferenzvorträge und Workshops (hierbei vor allem der GCSE YRW) die Möglichkeit, mit Experten näher ins Gespräch zu kommen.

Das erstmals stattgefundene GCSE Symposium zeigte mit seinen 15 Vorträgen, die von einem Programmkommitee aus 39 Einreichungen ausgewählt wurden, nicht nur eine hohe Qualität sondern offenbarte in der Zahl der Einreichungen und der hohen Zahl von Besuchern auch ein überdurchschnittliches Interesse.

Für die Möglichkeit zu wissenschaftlichem und praktischem Austausch sowie für die gelungene Organisation der Konferenz STJA und des GCSE Symposiums sei an dieser Stelle ebenso gedankt wie den Messeorganisatoren für den gelungenen, reibungslosen Ablauf und den Sponsoren.

Die Fachkonferenz STJA und das GCSE Symposium (mit Workshops) sind im Jahr 2000 vom 25. bis zum 28. September geplant. Damit wird eine um einen Tag geplante Verlängerung der Veranstaltung den erneut gestiegenen Teilnehmerzahlen und dem außerordentlich hohen Interesse gerecht. Die STJA hat seit 1995 stetig an Bedeutung gewonnen. Dies spiegelt sich in der Entwicklung der Teilnehmerzahlen, der Programmvielfalt und wachsender internationaler Beteiligung wider. Eine Fortsetzung dieses Trends läßt auch die STJA 2000 erwarten.


Elke Pulvermüller <pulvermueller@acm.org>



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