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ARBEITSKREIS SOFTWAREMETRIKEN DER FG 2.1.9

Reiner Dumke
http://ivs.cs.uni-magdeburg.de/sw-eng/us/

Der inzwischen 9. Workshop des GI-Arbeitskreises Softwaremetriken wurde in zwei Veranstaltungen durchgeführt, und zwar

Beide Workshops widmeten sich folgenden allgemeinen Schwerpunkten

Die Ergebnisse bzw. Workshop-Beiträge des Kanada-Workshops können im WWW unter http://www.lrgl.uqam.ca/iwsm99/index2.html eingesehen werden. Die Beiträge vom Regensburg-Workshop erscheinen in einem Buch beim DUV Ende 1999.

Im folgenden beschreiben wir die Beiträge des Regensburg-Workshops durch eine kurze Inhaltsangabe:

Jacobson-Rey, M.
(Reasoning Software GmbH Waldems-Esch) Automated Software Inspections - Attainig New Levels of Software Quality

Qualität ist ein oftmals schwer zu fassender Begriff in der Software- Industrie. Daher haben die Methoden der Software-Testung in den verschiedenen Entwicklungsphasen nie die Erwartungen erfüllen können. Folglich scheint eine gewisse Fehleranfälligkeit nahezu toleriert zu werden. Dieser Beitrag beschreibt die besondere Rolle der Software-Inspektion und die Möglichkeiten und Notwendigkeiten seiner tool-gestützten Automatisierung für eine wesentliche Steigerung der Software-Qualität.

Fetcke, T.:
(Universität Magdeburg) Meßtheoretische Analyse der Function-Point-Methode
Seit der ersten Publikation von Albrecht zu Function-Points existieren bereits eine Reihe von Versionen und Varianten zu dieser Methode. Der vorliegende Beitrag geht von einem Software-Modell mit einer datenorientierten Strukturierung aus und definiert die Function-Points auf der Grundlage dieser Struktur. Dabei werden die meßtheoretischen Eigenschaften untersucht und an Methodenbeispielen erläutert. Diese Betrachtungsweise führt zu interessanten Ergebnissen, wie z. B. die Verletzung des Monotonie-Axioms beim IFPUG-Standard. Der Beitrag zeigt Wege zur Erreichung der Eigenschaften eines Maßes im Sinne der Meßtheorie für die Function-Point-Zählung.

Foltin, E. et al.:
(Universität Magdeburg) Anwendungserfahrungen von Metrikendatenbanken
Unternehmen sehen sich bei der Anwendung von quantitativen Methoden für die Analyse, Bewertung und Abschätzung von Software-Entwicklungsaspekten sehr unterschiedlichen Ansätzen (Code-Messung, Function-Point-Bewertung, Klassifikation und Reviews usw.) und sehr unterschiedlicher Tool-Unterstützung mit mehr oder weniger starren Prozeßstrukturierungen gegenübergestellt. Die Autoren berichten über eine bereits sich in der Anwendung befindliche Web-basierte Lösung zur Metrikendatenhaltung und -anwendung.

Lewerentz, C.
(Universität Cottbus) Quality - Metrics - Numbers - Consequences
Dieser Beitrag gibt einen Überblick zu industriellen Anwendungen der Software-Messung und die dabei gemachten Erfahrungen. Dabei werden folgende Metriken-Anwendungen betrachtet Dabei wurden vielfältige Ansätze, wie FCM und Metrics Suites, aber auch Modelle und Theorien, wie die Meßtheorie, Metriken-Filterung und -Visualisierung angewandt und ausgewertet. Als Fazit werden Schritte und Techniken zur erfolgreichen Anwendung von Metriken abgeleitet.

Dumke, R.
(Universität Magdeburg) Erfahrungen in der Anwendung eines allgemeinen objektorientierten Measurement Frameworks
Die Einführung und Anwendung von Metrikenprogrammen in den verschiedensten Bereichen der Software-Entwicklung, - Wartung und -Anwendung ist heutzutage geprägt von Der vorliegende Beitrag widmet sich den in diesem Zusammenhang auftretenden Fragen nach dem wirklich erreichten ,,Meßniveau'' bzw. nach den auf dem Gebiet der Software-Metriken offenen Fragestellungen und aktuellen Forschungsaufgaben. Er verwendet dabei ein bereits definiertes und erprobtes Measurement Framework - genannt CAME - welches aufzeigt, wie die objektorientierte Technologie selbst für den Software-Metrikeneinsatz verwendet werden kann.

Schmietendorf, A. et al.:
(EZ Telekom, Berlin) Konzeption und erste Erfahrungen einer metrikenbasierten Software-Wiederverwendung
Für die Software-Wiederverwendung existieren bereits eine Reihe von Untersuchungen bzw. 'Erfolgsstories' aus der Praxis. Zumeist fällt eine Nachvollziehbarkeit des wirklichen Nutzens insbesondere in Bezug auf konkrete Technologien dabei schwer. Das von der Deutschen Telekom in Zusammenarbeit mit der Otto-von-Guericke-Universität durchgeführte Projekt SW-WiVe diente so der detaillierten Analyse und Erarbeitung von bewertbaren Strategien für die Software-Wiederverwendung innerhalb einer industriellen Softwareentwicklung. Dafür wurden bisherige Bewertungsansätze, wie zum Beispiel Reuse-Metriken kritisch untersucht und für eine kontinuierliche Wiederverwendung notwendige Prozesse herausgearbeitet. In einem weiteren Schritt erfolgte die Zuordnung derzeit verfügbarer valider Reuse-Metriken zum Software-Entwicklungsprozeß bzw. die Identifikation fehlender metrikenbasierter Bewertungsansätze. Dieses Paper beschreibt im Schwerpunkt die metrikenorientierten Aufgabenstellungen des Projektes.

Mandl-Striegnitz, P.:
(Universität Stuttgart) Untersuchung eines neuen Ansatzes zur Projektmanagement-Ausbildung
Neben anderen Faktoren entscheidet besonders die Qualität des Projektmanagements über den Erfolg oder Mißerfolg eines Projekts. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Qualifikation und Erfahrung der Projektleiter. Wie aber müssen angehende Projektleiter ausgebildet werden, daß sie bereits während ihrer Ausbildung ausreichend Projektmanagement-Erfahrungen gewinnen, um das Problem, in begrenzter Zeit mit begrenzten Mitteln und unter den gegebenen Randbedingungen ein Produkt zu liefern, das die vorgegebenen Qualitätsanforderungen erfüllt, lösen zu können? In diesem Artikel wird ein neuer Ansatz zur Projektmanagement-Ausbildung durch die interaktive Simulation von Software-Projekten vorgestellt. Unsere Annahme ist, daß sich durch den Einsatz des Simulators in der Projektmanagement-Ausbildung die Motivation und der Lernerfolg der Studierenden verbessern lassen. Folglich ist es unser Ziel, ein Konzept zu entwickeln, das den Projektsimulator gewinnbringend in die Projektmanagement-Ausbildung integriert. Ich berichte über meine Erfahrungen mit einem ersten Ausbildungskonzept, das in einem Experiment erprobt wurde.

Windpassinger, H.:
(Verilog München) Der Einsatz von Metriken-Tools bei die Entwicklung von Echtzeitsystemen
Der Beitrag beschreibt die besonderen Anwendungsformen und -techniken des Metrics-Tools Logiscope für den Bereich der Software-Entwicklung und -Wartung von eingebetteten bzw. Echtzeitsystemen. Der besondere Schwerpunkt liegt dabei auf dem dynamischen Test derartiger Software-Komponenten.

Simon, F.:
(Universität Cottbus) Semiautomatische, kohäsionsbasierte Subsystembildung
Die Klassenstruktur objektorientierter Systeme als standardmäßige Abstraktionsschicht ist für große Systeme auf Designebene zu feingranular und mit zu vielen für das Grundverständnis des Gesamtsystems unnötigen Details behaftet. Die Erweiterung um eine Subsystemschicht soll auch für bisher subsystemlose Systeme möglich sein. Für diesen Zweck wird eine semiautomatische Subsystembildung vorgeschlagen und anhand eines Beispielsystems veranschaulicht. Unter Berücksichtigung notwendiger Interventionen durch den Entwickler scheint unser Ansatz sehr vielversprechend.

Schweikl, U. et al.:
(Siemens Automotive Regensburg) Anwendungbarkeit der Full-FunctionPointMethode bei der Siemens AT
Der Beitrag beschreibt den Einsatz der Full-Function-Methode für ein ausgewähltes Systembeispiel im Bereich der Automobil-Software. Für die zweckmäßige Zählweise wurde ein spezielles Modell zur Full-Function-Point-Anwendung aufgestellt. Auf dieser Grundlage werden Erfahrungen über die Eignung der vorhandenen Systemspezifikationen dargestellt und der Aufwand der Methodenanwendung selbst beschrieben.

Sneed. H.:
(SES Budapest/München) Testmetriken für objektorientierte Bankenanwendungen
Dieser Beitrag beschreibt den Ansatz des Autors, die Fehlerrate bei großen objektorientierten Anwendungssysteme im Bezug auf die wachsende Größe und Komplexität der Systeme nach verschiedenen Größenmaße zu messen, um daraus Schlüsse über die Qualität der Systeme und die Effektivität des Tests zu ziehen. Zu diesem Zweck hat der Autor ein neues Werkzeug namens ,,TestDoc'' entwickelt, das aus der Mängeldatenbank die Fehlerstatistik gewinnt und anschließend mit den Quantitäts-, Qualitäts- und Komplexitätsmetriken aus der statischen Analyse verbindet, um Aussagen über die Fehlerdichte und Fehlerhäufigkeit zu treffen. Das Ziel ist die Schätzung der Restfehlerwahrscheinlichkeit und die Fehlerbehebungskosten fur künftige Releases.

Ebert, C.:
(Alcatel Telecom Antwerpen) Prozeß Change Management in Large Organizations
Der Autor widmet sich den Aspekten der Software-Prozeßverbesserung (SPI) unter den Bedingungen verschiedenster Änderungsgründe. Dabei wird der Bereich einer umfangreichen, verteilten Organisationsstruktur und der dabei möglicherweise auftretenden Veränderungen der ,,Prozeßkultur'' betrachtet. Zahlreiche Beispiele aus über 30 Porjekten geben wichtige Hinweise für eine erfolgversprechende Umsetzung der beschriebenen Erfahrungen.

Mittelmann, A.:
(Voest Alpine Stahl GmbH Linz) Messen von weichen Faktoren - ein Erfahrungsbericht
Kooperative, partizipative Arbeitsweisen in der Softwareentwicklung machen es notwendig, auch die weichen Faktoren in einem Metriken-Programm zu berücksichtigen. Das EFQM-Modell stellt ein Rahmenwerk dar, das zur Lösung dieser Aufgabenstellung benutzt werden kann, da es Produkte, Prozesse und Menschen gleichermaßen berücksichtigt. In diesem Bericht wird skizziert, wie das EFQM-Modell angepaßt werden kann, um als ganzheitliches Rahmenwerk für ein Metriken-Programm in der Softwareentwicklung eingesetzt werden zu können.

Unser nächster Workshop findet voraussichtlich in der Zeit vom 20. bis 22. September 2000 in Berlin statt. Er wird wieder mit internationaler Beteiligung sein. Ein Call for Paper erfolgt noch rechtzeitig.

Das Programm- und Organisationskomitee bedankt sich an dieser Stelle noch einmal bei Prof. Abran von der Quebec-Universität in Montreal und bei Prof. Lehner von der Universität Regensburg für die Gewährleistung ausgezeichneter Arbeitsbedingungen im Rahmen der jeweiligen Workshops.

Reiner Dumke
(Leiter des Arbeitskreises Softwaremetriken),
Universität Magdeburg, Fakultät für Informatik,
Postfach 4120, 39016 Magdeburg,
Tel.: 0391-67-18828, Fax: 0391-67-12810,
Email: dumke@ivs.cs.uni-magdeburg.de



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