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ARBEITSKREIS SOFTWAREMETRIKEN DER FG 2.1.9
Reiner Dumke
http://ivs.cs.uni-magdeburg.de/sw-eng/us/
Der inzwischen 9. Workshop des GI-Arbeitskreises Softwaremetriken wurde
in zwei Veranstaltungen durchgeführt, und zwar
- als internationaler Workshop zur Software-Messung gemeinsam mit
der Quebec-Universität in Montreal, Kanada, vom 8. bis 10. September
1999,
- als interner Workshop des AK Softwaremetriken an der Universität
Regensburg, vom 30. September bis 1. Oktober 1999.
Beide Workshops widmeten sich folgenden allgemeinen Schwerpunkten
- neue Ansätze und Verfahren für die Einführung von
Metrikenprogrammen in der Industrie,
- grundlegende Formen und Inhalte der Software-Messung in den
verschiedenen Anwendungsbereichen der Prozeß-, Produkt- und
Ressourcenbewertung,
- Metriken für neue Entwicklungsparadigmen und deren
Tool-Unterstützung,
- Anwendung von Software-Metriken im Bereich der Informatik-Ausbildung,
- spezielle Formen und meßtheoretische Analysen zur Function-Point-
bzw. Full-Function-Point-Methode.
Die Ergebnisse bzw. Workshop-Beiträge des Kanada-Workshops können im
WWW unter http://www.lrgl.uqam.ca/iwsm99/index2.html eingesehen werden.
Die Beiträge vom Regensburg-Workshop erscheinen in einem Buch beim
DUV Ende 1999.
Im folgenden beschreiben wir die Beiträge des Regensburg-Workshops durch
eine kurze Inhaltsangabe:
- Jacobson-Rey, M.
- (Reasoning Software GmbH Waldems-Esch)
Automated Software Inspections - Attainig New Levels of Software
Quality
Qualität ist ein oftmals schwer zu fassender Begriff in der Software-
Industrie. Daher haben die Methoden der Software-Testung in den
verschiedenen Entwicklungsphasen nie die Erwartungen erfüllen können.
Folglich scheint eine gewisse Fehleranfälligkeit nahezu toleriert zu
werden. Dieser Beitrag beschreibt die besondere Rolle der
Software-Inspektion und die Möglichkeiten und Notwendigkeiten seiner
tool-gestützten Automatisierung für eine wesentliche Steigerung
der Software-Qualität.
- Fetcke, T.:
- (Universität Magdeburg) Meßtheoretische
Analyse der Function-Point-Methode
Seit der ersten Publikation von Albrecht zu Function-Points existieren
bereits eine Reihe von Versionen und Varianten zu dieser Methode. Der
vorliegende Beitrag geht von einem Software-Modell mit einer
datenorientierten Strukturierung aus und definiert die Function-Points
auf der Grundlage dieser Struktur. Dabei werden die meßtheoretischen
Eigenschaften untersucht und an Methodenbeispielen erläutert. Diese
Betrachtungsweise führt zu interessanten Ergebnissen, wie z. B. die Verletzung
des Monotonie-Axioms beim IFPUG-Standard. Der Beitrag zeigt Wege zur
Erreichung der Eigenschaften eines Maßes im Sinne der Meßtheorie für die
Function-Point-Zählung.
- Foltin, E. et al.:
- (Universität Magdeburg)
Anwendungserfahrungen von Metrikendatenbanken
Unternehmen sehen sich bei der Anwendung von quantitativen Methoden
für die Analyse, Bewertung und Abschätzung von
Software-Entwicklungsaspekten sehr unterschiedlichen Ansätzen
(Code-Messung, Function-Point-Bewertung, Klassifikation und Reviews usw.)
und sehr unterschiedlicher Tool-Unterstützung mit mehr oder weniger
starren Prozeßstrukturierungen gegenübergestellt. Die Autoren berichten
über eine bereits sich in der Anwendung befindliche Web-basierte
Lösung zur Metrikendatenhaltung und -anwendung.
- Lewerentz, C.
- (Universität Cottbus) Quality - Metrics
- Numbers - Consequences
Dieser Beitrag gibt einen Überblick zu industriellen Anwendungen der
Software-Messung und die dabei gemachten Erfahrungen. Dabei werden folgende
Metriken-Anwendungen betrachtet
- die Qualitätsdefinition und ihre Quantifizierung durch Metriken,
- die Auswahl, Modifikation und Umgestaltung vorhandener Metriken,
- die Verarbeitung umfangreicher Meßdatenbestände,
- die Gewinnung von Erfahrungen zur Qualitätsverbesserung aber auch
zur Meßmethodik selbst.
Dabei wurden vielfältige Ansätze, wie FCM und Metrics Suites, aber auch
Modelle und Theorien, wie die Meßtheorie, Metriken-Filterung und -Visualisierung
angewandt und ausgewertet. Als Fazit werden Schritte und Techniken zur
erfolgreichen Anwendung von Metriken abgeleitet.
- Dumke, R.
- (Universität Magdeburg) Erfahrungen in der
Anwendung eines allgemeinen objektorientierten Measurement Frameworks
Die Einführung und Anwendung von Metrikenprogrammen in den verschiedensten Bereichen der Software-Entwicklung, - Wartung und -Anwendung ist heutzutage geprägt von
- einem relativ weit verbreiteten Zertifizierungsniveau zur ISO-9000 in den IT-Bereichen mittlerer und großer Software-Herstellungs- und -anwendungsfirmen,
- einer erhöhten Beachtung einer Prozeßverbesserung durch Assessments auf der Grundlage des Capability-Maturity-Modells (CMM), des SPICE- oder Bootstrap-Ansatzes,
- einer zunehmenden Interessiertheit an Kosten- und Aufwandsschätzverfahren im Bereich der Software-Entwicklung, wie zum Beispiel zum Function-Point-Verfahren,
- einer bereits erfolgreichen Anwendung von zielorientierten Bewertungsmethoden, wie beispielsweise das Goal-Question-Metric-Verfahren.
Der vorliegende Beitrag widmet sich den in diesem Zusammenhang auftretenden Fragen nach dem wirklich erreichten ,,Meßniveau'' bzw. nach den auf dem Gebiet der Software-Metriken offenen Fragestellungen und aktuellen Forschungsaufgaben. Er verwendet dabei ein bereits definiertes und erprobtes Measurement Framework - genannt CAME - welches aufzeigt, wie die objektorientierte Technologie selbst für den Software-Metrikeneinsatz verwendet werden kann.
- Schmietendorf, A. et al.:
- (EZ Telekom, Berlin) Konzeption und
erste Erfahrungen einer metrikenbasierten Software-Wiederverwendung
Für die Software-Wiederverwendung existieren bereits eine Reihe von Untersuchungen bzw. 'Erfolgsstories' aus der Praxis. Zumeist fällt eine Nachvollziehbarkeit des wirklichen Nutzens insbesondere in Bezug auf konkrete Technologien dabei schwer. Das von der Deutschen Telekom in Zusammenarbeit mit der Otto-von-Guericke-Universität durchgeführte Projekt SW-WiVe diente so der detaillierten Analyse und Erarbeitung von bewertbaren Strategien für die Software-Wiederverwendung innerhalb einer industriellen Softwareentwicklung. Dafür wurden bisherige Bewertungsansätze, wie zum Beispiel Reuse-Metriken kritisch untersucht und für eine kontinuierliche Wiederverwendung notwendige Prozesse herausgearbeitet. In einem weiteren Schritt erfolgte die Zuordnung derzeit verfügbarer valider Reuse-Metriken zum Software-Entwicklungsprozeß bzw. die Identifikation fehlender metrikenbasierter Bewertungsansätze. Dieses Paper beschreibt im Schwerpunkt die metrikenorientierten Aufgabenstellungen des Projektes.
- Mandl-Striegnitz, P.:
- (Universität Stuttgart) Untersuchung
eines neuen Ansatzes zur Projektmanagement-Ausbildung
Neben anderen Faktoren entscheidet besonders die Qualität des Projektmanagements über den Erfolg oder Mißerfolg eines Projekts. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Qualifikation und Erfahrung der Projektleiter. Wie aber müssen angehende Projektleiter ausgebildet werden, daß sie bereits während ihrer Ausbildung ausreichend Projektmanagement-Erfahrungen gewinnen, um das Problem, in begrenzter Zeit mit begrenzten Mitteln und unter den gegebenen Randbedingungen ein Produkt zu liefern, das die vorgegebenen Qualitätsanforderungen erfüllt, lösen zu können?
In diesem Artikel wird ein neuer Ansatz zur Projektmanagement-Ausbildung durch die interaktive Simulation von Software-Projekten vorgestellt. Unsere Annahme ist, daß sich durch den Einsatz des Simulators in der Projektmanagement-Ausbildung die Motivation und der Lernerfolg der Studierenden verbessern lassen. Folglich ist es unser Ziel, ein Konzept zu entwickeln, das den Projektsimulator gewinnbringend in die Projektmanagement-Ausbildung integriert. Ich berichte über meine Erfahrungen mit einem ersten Ausbildungskonzept, das in einem Experiment erprobt wurde.
- Windpassinger, H.:
- (Verilog München) Der Einsatz
von Metriken-Tools bei die Entwicklung von Echtzeitsystemen
Der Beitrag beschreibt die besonderen Anwendungsformen und -techniken des
Metrics-Tools Logiscope für den Bereich der Software-Entwicklung und
-Wartung von eingebetteten bzw. Echtzeitsystemen. Der besondere Schwerpunkt
liegt dabei auf dem dynamischen Test derartiger Software-Komponenten.
- Simon, F.:
- (Universität Cottbus) Semiautomatische,
kohäsionsbasierte Subsystembildung
Die Klassenstruktur objektorientierter Systeme als standardmäßige Abstraktionsschicht ist für große Systeme auf Designebene zu feingranular und mit zu vielen für das Grundverständnis des Gesamtsystems unnötigen Details behaftet. Die Erweiterung um eine Subsystemschicht soll auch für bisher subsystemlose Systeme möglich sein. Für diesen Zweck wird eine semiautomatische Subsystembildung vorgeschlagen und anhand eines Beispielsystems veranschaulicht. Unter Berücksichtigung notwendiger Interventionen durch den Entwickler scheint unser Ansatz sehr vielversprechend.
- Schweikl, U. et al.:
- (Siemens Automotive Regensburg)
Anwendungbarkeit der Full-FunctionPointMethode bei der Siemens AT
Der Beitrag beschreibt den Einsatz der Full-Function-Methode für ein
ausgewähltes Systembeispiel im Bereich der Automobil-Software.
Für die zweckmäßige Zählweise wurde ein spezielles Modell zur
Full-Function-Point-Anwendung aufgestellt. Auf dieser Grundlage
werden Erfahrungen über die Eignung der vorhandenen Systemspezifikationen
dargestellt und der Aufwand der Methodenanwendung selbst beschrieben.
- Sneed. H.:
- (SES Budapest/München) Testmetriken für
objektorientierte Bankenanwendungen
Dieser Beitrag beschreibt den Ansatz des Autors, die Fehlerrate bei großen objektorientierten Anwendungssysteme im Bezug auf die wachsende Größe und Komplexität der Systeme nach verschiedenen Größenmaße zu messen, um daraus Schlüsse über die Qualität der Systeme und die Effektivität des Tests zu ziehen. Zu diesem Zweck hat der Autor ein neues Werkzeug namens ,,TestDoc'' entwickelt, das aus der Mängeldatenbank die Fehlerstatistik gewinnt und anschließend mit den Quantitäts-, Qualitäts- und Komplexitätsmetriken aus der statischen Analyse verbindet, um Aussagen über die Fehlerdichte und Fehlerhäufigkeit zu treffen. Das Ziel ist die Schätzung der Restfehlerwahrscheinlichkeit und die Fehlerbehebungskosten fur künftige Releases.
- Ebert, C.:
- (Alcatel Telecom Antwerpen)
Prozeß Change Management in Large Organizations
Der Autor widmet sich den Aspekten der Software-Prozeßverbesserung (SPI)
unter den Bedingungen verschiedenster Änderungsgründe. Dabei wird der
Bereich einer umfangreichen, verteilten Organisationsstruktur und der dabei
möglicherweise auftretenden Veränderungen der ,,Prozeßkultur'' betrachtet.
Zahlreiche Beispiele aus über 30 Porjekten geben wichtige Hinweise für
eine erfolgversprechende Umsetzung der beschriebenen Erfahrungen.
- Mittelmann, A.:
- (Voest Alpine Stahl GmbH Linz)
Messen von weichen Faktoren - ein Erfahrungsbericht
Kooperative, partizipative Arbeitsweisen in der Softwareentwicklung machen es notwendig, auch die weichen Faktoren in einem Metriken-Programm zu berücksichtigen. Das EFQM-Modell stellt ein Rahmenwerk dar, das zur Lösung dieser Aufgabenstellung benutzt werden kann, da es Produkte, Prozesse und Menschen gleichermaßen berücksichtigt. In diesem Bericht wird skizziert, wie das EFQM-Modell angepaßt werden kann, um als ganzheitliches Rahmenwerk für ein Metriken-Programm in der Softwareentwicklung eingesetzt werden zu können.
Unser nächster Workshop findet voraussichtlich in der Zeit vom
20. bis 22. September 2000 in Berlin statt. Er wird wieder mit
internationaler Beteiligung sein. Ein Call for Paper erfolgt noch
rechtzeitig.
Das Programm- und Organisationskomitee bedankt sich an dieser Stelle
noch einmal bei Prof. Abran von der Quebec-Universität in Montreal
und bei Prof. Lehner von der Universität Regensburg für die
Gewährleistung ausgezeichneter Arbeitsbedingungen im Rahmen der
jeweiligen Workshops.
Reiner Dumke
(Leiter des Arbeitskreises Softwaremetriken),
Universität Magdeburg, Fakultät für Informatik,
Postfach 4120, 39016 Magdeburg,
Tel.: 0391-67-18828, Fax: 0391-67-12810,
Email: dumke@ivs.cs.uni-magdeburg.de
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