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Zeiterfassung und -auswertung in der softwaretechnischen Ausbildung

Udo Kelter, Markus Schild
Praktische Informatik, Fachbereich Elektrotechnik und Informatik
Universität Siegen, 57068 Siegen
{kelter|schild}@informatik.uni-siegen.de


Software zu entwickeln kostet viel Zeit. Diese Einsicht wird innerhalb der Informatik-Ausbildung u.a. im Rahmen von Softwaretechnik-Vorlesungen verkündet, beispielsweise anläßlich des Themas Aufwandsschätzung. Studenten, die intensiv praktische Aufgaben bearbeiten, kommen vielleicht sogar von alleine zu dieser Erkenntnis. Wieviel Zeit genau für welche Tätigkeiten verbraucht worden ist, ist dennoch nur den wenigsten Studenten bewußt.

Dementsprechend unsicher sind Zeitplanungen von Studenten bei eigenen Projekten. Die erste Gelegenheit, bei der Studenten ein kleineres Projekt planen müssen, ist typischerweise das Programmierpraktikum im 3. oder 4. Semester. Im weiteren Verlauf des Studiums treten Planungsaufgaben bei Projektgruppen, Studienarbeiten und Diplomarbeiten auf. Daß die Zeitpläne - sofern überhaupt welche gemacht werden - hierbei notorisch überschritten werden, geht vor allem auf unzureichende Planungsfähigkeiten zurück. Schätzverfahren, die ggf. in der Softwaretechnik-Vorlesung vorgestellt werden, werden üblicherweise nicht angewandt, weil sie zu komplex sind und weil eine entscheidende Eingangsgröße, nämlich die Produktivität der Entwickler, also hier der Studenten selbst, unbekannt ist.

Daß die Informatik-Studenten ihre eigenen Zeitaufwände systematisch erfassen, ist daher sowohl aus didaktischen Gründen als auch zur Verbesserung der Planungssicherheit eigener Vorhaben sehr wünschenswert. Dies ist seit langem bekannt. Humphrey schlägt in [1] vor, die Aufwandserfassung und Beurteilung der Arbeitsqualität zu einer Selbstverständlichkeit im Studium zu machen und sieht sie als unverzichtbare Basis für das Qualitäts- und Kostenbewußtsein von Informatikern an.

Praktiziert werden die Ideen von [1] in der universitären Lehre fast nicht. Eine Ursache ist sicherlich, daß das Thema weniger mit Wissenschaft als mit Selbsterfahrung zu tun hat und in gängigen Lehrbüchern nicht behandelt wird, da anderer Stoff als wichtiger angesehen wird. Selbst wenn man das Thema einführend in ca. einer Vorlesungsstunde abhandeln wollte, wäre die Darstellung in [1] zu umfänglich. Eine zweite Ursache ist, daß die Erfassung und Auswertung von Aufwandsdaten lästig und zeitraubend ist.

[2] ist ein Versuch, das erste Problem zu lösen. Dieser Volltext gibt eine Einführung in das Thema Zeiterfassung, die auch für Erstsemester lesbar sein sollte, und stellt eine gegenüber [1] vereinfachte Erfassungsmethode vor.

[3] ist ein dazu passendes, kompaktes Zeiterfassungs- und Auswertungssystem. Es ist in Java geschrieben und daher weitgehend portabel. Sofort verfügbar ist eine Einbenutzerversion, vorbereitet wird eine netzwerkfähige Mehrbenutzerversion. Das untenstehende Bild zeigt einen Ausschnitt der Bedienschnittstelle. Das System unterstützt

Die Entwicklung dieses Systems wird vom Universitätsverbund MultiMedia, Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (http://www.uvm-nw.de) gefördert. [2] und [3] sind erhältlich über http://pi.informatik.uni-siegen.de.


Literatur

1
Humphrey, Watts: Introduction to the Personal Software Process; SEI Series in Software Engineering, Addison Wesley; 1996

2
Kelter, U.: Lehrmodul ``Zeitmanagement''; 1999

3
Zeiterfassungs- und Auswertungssystem PiSetTT; 1999



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