zurück zur Startseite der Softwaretechnik-Trends , zu Band 17 Heft 3

Editorial

Liebe Trends-Leser,

an dieser Stelle wollen wir, um Gerüchten vorzubeugen und um in der brandaktuellen Diskussion um unsere Muttersprache Stellung zu nehmen, ankündigen, daß wir nicht planen, den Namen dieser Zeitschrift in Sofftwär-Technik-Tränds zu ändern. Zugegeben ist das nicht ganz im Trend, aber in der Softwaretechnik spielt die Abwärtskompatibilität definitiv eine wichtigere Rolle als in der Kultusbürokratie.

Damit soll indes nicht ausgedrückt werden, daß wir nur noch Artikel in Deutsch akzeptieren, Artikel in Neuschreib sind ebenfalls willkommen. Wobei wir zugeben müssen, daß wir Artikel in Neuschreib von solchen in Deutsch mit vielen Orthographiefehlern nicht unterscheiden können: wir haben die Orthographie von Neuschreib bisher nicht erlernen können, weil wir Wichtigeres zu tun haben. Der Entschuldigung halber sei auf die Kompliziertheit dieser Regeln hingewiesen; Gerüchten zufolge weisen die beiden führenden Neuschreib-Wörterbücher an 8000 Stellen Differenzen auf.

Thema dieser Zeitschrift ist ja eigentlich die Softwaretechnik, von daher liegt die Frage nahe, ob die Einführung von Neuschreib etwas mit Softwaretechnik bzw. Software zu tun hat. Überraschenderweise ja, denn es gibt ja noch deutsche interaktive Software, Handbücher etc., die umzustellen wären. Am einfachsten ist, wenn man das gleich zusammen mit dem Jahr-2000-Problem und der Euro-Umstellung erledigt.

Neuschreib fällt also aus softwaretechnischer Sicht in den Bereich der Wartungsprobleme. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß hier ein originär deutsches Wartungsproblem vorliegt, normalerweise sind Wartungsprobleme international. Man kann nun darüber spekulieren, ob dies einen weiteren Standortnachteil für die deutsche (Software-) Industrie darstellt. Die gesamten volkswirtschaftlichen Schäden dürften ohnehin in die Milliarden gehen, da kommt es auf die Schäden in der Softwareindustrie eigentlich nicht so sehr an. Vielleicht ist es aber auch ein genialer Schachzug, der ausländische Softwareanbieter vom deutschen Markt fernhalten soll, also zugunsten der deutschen Softwareindustrie wirkt. Wenn man - dem Beispiel der Druckindustrie folgend - die Umstellungskosten auf die Käufer von Software abwälzen kann, werden sogar dringend benötigte Arbeitsplätze in der Softwareindustrie geschaffen. So gesehen lägen gar keine Schäden vor, sondern neue Umsatzchancen, eine Erhöhung des Bruttosozialprodukts und folglich eine Erhöhung von Wohlstand und Lebensqualität.

Die erfolgreiche Einführung von Neuschreib ist noch in anderer Hinsicht für die Softwaretechnik relevant: vielleicht kann die Energie der Ministerien künftig dahin umgelenkt werden, Sprachen wie C zu reformieren, die sind ohne Zweifel wesentlich verbesserungsbedürftiger als Deutsch. Rein technisch gesehen wäre dies wirklich sehr zu gegrüßen, zugleich ergäben sich noch viel umfangreichere Umsatzchancen. Einziges Problem ist der mögliche Eindruck, daß Politiker die Geschäftsinteressen bestimmter Firmen oder Industriezweige vertreten; dieses Problem kann nicht softwaretechnisch, sondern nur auf der politischen Ebene gelöst werden.

Zurück zur Softwaretechnik: wir weisen jetzt schon auf die nächste Jahrestagung des FA2.1 hin, die Softwaretechnik 98. Diese wird im September 1998 in Paderborn stattfinden. Schwerpunktthemen sind ``Softwaretechnik für multimediale Systeme'' sowie ``Zertifizierung und Qualitätskontrolle''. Der call for papers wird im nächsten Trends-Heft erscheinen.

Das vorliegende Heft enthält als Sonderteil die Beiträge zum Workshop ``Arbeitsplatzrechner-Integration zur Prozeßverbesserung'', der im Rahmen der diesjährigen GI-Jahrestagung stattfindet. Die Beiträge behandeln die Modellierung von Entwicklungsprozessen, deren Unterstützung auf Arbeitsplatzrechnern und verschiedene damit zusammenhängende softwaretechnische Themen.
 
Viel Spaß beim Lesen wünschen Ihnen
 
E.-E. Doberkat
U. Kelter


zurück zur Startseite der Softwaretechnik-Trends , zu Band 17 Heft 3