zurück zur Startseite der Softwaretechnik-Trends , zu Band 16 Heft 4

Bericht über die

Softwaretechnik '96, 12.-13.9.96, Koblenz

Manfred Kamp
Universität Koblenz-Landau
Institut für Softwaretechnik
Rheinau 1, 56075 Koblenz
kamp@informatik.uni-koblenz.de

Die Softwaretechnik '96 fand am 12. und 13. September an der Universität Koblenz-Landau in Koblenz statt. Unter den Themenschwerpunkten Objektorientierung und Benutzungsschnittstellen konnten die ca. 150 Teilnehmer drei eingeladene und 15 eingereichte Vorträge hören. Ein Mini-Tutorial zum Thema `Java' rundete das Tagungsprogramm ab. Vier gut besuchte Tutorien sowie Treffen der GI-Fachgruppen Softwareentwicklungsumgebungen (2.1.8) und Objektorientierte Software-Entwicklung (2.1.9) fanden im Vorfeld der Tagung statt.

Die Tagungen der Reihe `Softwaretechnik (ST)' haben üblicherweise einen zweijährigen Rhythmus. Dieser wurde 1996 durchbrochen, um die Konferenz künftig in den geraden Jahren abzuhalten. So findet diese deutschsprachige Tagung von nun an abwechselnd mit ihrem europäischen Pendant dem `European Symposium on Software Engineering (ESEC)' statt.

Trotz des ob dieses Umstands geringen Abstands zur Vorgängerveranstaltung (ST'95 in Braunschweig) und der zeitlichen Nähe zur Jahrestagung der GI konnten der GI-Fachausschuß 2.1 `Softwaretechnik und Programmiersprachen' und der Verein SofTec NRW als Veranstalter eine ca. fünfzigprozentige Steigerung der Teilnehmerzahl im Vergleich zum Vorjahr vermelden. Ebenfalls erfreulich war der mit etwa einem Drittel relativ hohe Anteil der Teilnehmer aus dem industriellen Bereich. Mit dem im Tagungsband formulierten Ziel `den Dialog zwischen den Anwendern und der Wissenschaft in einem Bereich zu stärken, der den aktuellen Bedürfnissen beider Seiten entspricht', scheint man mit dieser Tagungsreihe also auf dem richtigen Weg zu sein.

Das Programmkomitee mit seinem Vorsitzenden Prof. Gregor Engels (Universität Leiden) hatte als Themenschwerpunkte Objektorientierung und Benutzungsschnittstellen festgelegt. Diese inhaltliche Ausrichtung hatten auch die vier Tutorien, die am Tag vor der eigentlichen Tagung halb- bzw. ganztätig angeboten wurden.

Für die ST'96 eingereicht wurden insgesamt 38 Arbeiten. Von diesen fanden letztlich 15 Eingang in das Tagungsprogramm. Entsprechend der Schwerpunktsetzung beschäftigten sich alle Beiträge mit Themen aus dem Bereich Objektorientierung und Benutzungsschnittstellen.

Auf die Tagungsbeiträge im einzelnen einzugehen, würde hier zu weit führen. Zur ausführlichen Information sei auf das Heft 3, September 1996 der Softwaretechnik-Trends verwiesen, das alle Tagungsbeiträge enthält. Eine Auswahl der Arbeiten wird zudem in erweiterter Form in der Zeitschrift `Informatik: Forschung und Entwicklung' erscheinen.


Auf große Resonanz stießen die drei eingeladenen Vorträge. Den Auftakt bestritt Erich Gamma (IFA Technology Consulting, Zürich), der (natürlich) über die Anwendung von Design Patterns sprach. Er gab eine kurze Einführung in die Idee der Design Patterns, stellte einige der derzeitigen Aktivitäten in diesem Bereich vor und motivierte die Vorteile, die Entwufsmuster vor allem bei der Entwicklung größerer Systeme bieten können.Wie aktuell und vieldiskutiert dieses Thema zur Zeit ist, ließ sich gut an der Menschentraube ablesen, die sich im Anschluß an den Vortrag um Erich Gamma bildete. Die Kopien der Vortragsfolien fanden reißenden Absatz.

Im letzten Vortrag des ersten Tages referierte Jo"elle Coutaz (CLIPS-IMAG, Grenoble) über `PAC-Based Software Architecture Modelling for Interactive Systems' und stellte in diesem Kontext ihre Arbeiten im Bereich multimodaler Benutzungsschnittstellen vor. Eine kurzes Video dokumentierte anschaulich, wie Oberflächen aussehen und reagieren können, die gleichzeitig über Maus bzw. Tastatur und Sprache gesteuert werden.

Den zweiten Tag der Konferenz eröffnete Jürgen Uhl (IBM Deutschland) mit einem Vortrag zur `Architektur objektorientierter Systeme - heute und morgen'. Er ging in seinem grundsätzlichen Beitrag auf das Verhältnis bzw. die Kluft zwischen Objekt- und Workflowtechnologie ein. Im Hinblick auf eine Vereinheitlichung von Geschäfts- und Systemsicht bei der Modellierung betrieblicher Anwendungen plädierte er für Anstrengungen zur Intengration dieser Technologien.

Zum Abschluß der gesamten Tagung hielt Hansjörg Klimetzki (Sun Microsystems GmbH) ein einstündiges Mini-Tutorial unter der Überschrift `Java - Koffein für das Internet'. Er gab einen Überblick über die Entstehungsgeschichte und die Konzepte von Java, der wegen der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit natürlich relativ grob sein mußte. Auch dieses Thema traf offenbar den Nerv der Konferenzteilnehmer, denn trotz der Plazierung am späten Freitagnachmittag waren von ihnen noch etwa 80 Prozent bis zum Schluß dabei.


Was wäre eine Tagung ohne Rahmenprogramm. Und so wurde auch in Koblenz das obligatorischen `Social Event' für den Abend des ersten Tages angeboten. Die Gastgeber vom Institut für Softwaretechnik der Universität Koblenz hatten hierfür - naheliegend für eine Hochschule, deren Campus nur einen sportlichen Steinwurf vom Rhein entfernt liegt - zu einer Schiffahrt geladen. Mit einem üppigen Buffet an Bord ging es von Koblenz am frühen Abend vorbei an den zahlreichen Burgen des Mittelrheins zur Loreley und wieder retour.

Auf dieser fünfstündigen Rhein-Tour war die Atmosphäre zunächst ein wenig steif, wohl weil sich alle Teilnehmer an den zu Beginn gewählten Tischen aufhielten. Spätestens aber mit der Eröffnung des Buffets kam Bewegung in die Passagiere und man fand sich zu immer neuen Gesprächsrunden zusammen um zu fachsimpeln, an Deck die Sterne über dem Rheintal zu betrachten oder sich anderweitig zu unterhalten. In der ein oder anderen Koblenzer Kneipe fand der Abend dann noch in kleineren Kreisen seinen Abschluß.


Auch wenn es möglicherweise naheliegt, die absolute Objektivität des Autors in Zweifel zu ziehen, so muß doch noch erwähnt werden, daß über den organisatorischen Rahmen der Tagung allgemeine Zufriedenheit festzustellen war. Der Vorsitzende des Programmkomitees Gregor Engels brachte seine Beurteilung dieser Veranstaltung auf den einfachen Nenner `low cost, high quality'.



zurück zur Startseite der Softwaretechnik-Trends , zu Band 16 Heft 4