zurück zur Startseite der Softwaretechnik-Trends , zu Band 16 Heft 4

Bericht über das 2. Treffen der
GI-Fachgruppe 2.1.8 Software-Entwicklungsumgebungen
10. - 11.9.1996, Koblenz
Thema: Erfahrungen mit CASE-Werkzeugen

Dieses Treffen fand unmittelbar vor der GI-Fachtagung Softwaretechnik'95 in Koblenz statt. Herr Ebert war so freundlich, Räumlichkeiten, Pausengetränke und sonstige logistische Unterstützung bereitzustellen; ihm sei an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich hierfür gedankt.

Mit knapp 30 Teilnehmern war dieses Treffen der Fachgruppe sehr gut besucht, trotz (oder vielleicht auch wegen) der Dauer von 2 Tagen. Eine weitere Ursache hierfür ist sicher das attraktive Thema dieses Treffens gewesen. Inhaltlich war das Treffen sehr erfolgreich, viele Vorträge ernteten großes Lob bei den Teilnehmern. Kurzfassungen der Vorträge finden sich weiter unten. Etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer wie auch der Vorträge kamen aus der Industrie, der Rest aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Planung weiterer Aktivitäten:

Das 3. Treffen der Fachgruppe ist geplant für


Montag, 29.09.1997 bis Dienstag, 30.09.1997 in Darmstadt.


Die lokale Organisation übernimmt Anja Harnisch. Schwerpunktthema des 3. Treffens sollen Werkzeuge zur Entwicklung von Internet-Anwendungen sein, also insb. Werkzeuge zur

Interessenten, die einen Vortrag zu diesen und benachbarten Themen und ggf. eine Demonstration beisteuern möchten, werden gebeten, sich möglichst früh mit einem Mitglied der Fachgruppenleitung in Verbindung zu setzen.


Zu berichten ist schließlich noch, daß die Fachgruppe inzwischen unter der Adresse http://www.informatik.uni-siegen.de/gi/pi/fg218 über eine WWW-Seite verfügt. Für Mitglieder der Fachgruppe kann auf Wunsch von dieser Seite aus ein Link auf ihre private WWW-Seite eingerichtet werden.

gez.
Udo Kelter


Zusammenfassungen der Vorträge:


Sanjay Dewal (Stadt Bochum): Anwendungsentwicklung bei den Kommunen am Beispiel Bochum
Zusammenfassung: Viele Anwendungen werden im kommunalen Bereich zur Unterstützung der alltäglichen Tätigkeiten eingesetzt. Hierzu gibt es die kommunalen Datenzentralen, die neben der Anwendungsentwicklung und -betreuung auch die Beschaffung von Hard- und Software durchführen. Im Zuge der immer kritischer werdenden Finanzsituation in den Kommunen erfolgen Umstrukturierungsmaßnahmen, die an der Datenverarbeitung nicht vorbeigehen. Durch die dezentrale Ressourcenverantwortung in den Ämtern wird die Anwendungsentwicklung künftig mit anderen Anbietern um Aufträge konkurieren müssen.
Ausgehend von einer Darstellungen des Status Quo zeigen wir die Probleme der Anwendungsentwicklung am Beispiel der GKD Ruhr auf. Anschließend stellen wir dar, wie eine Lösung der Probleme erfolgt und dokumentieren diese an Beispielen aus der alltäglichen Praxis.


Stefan Dissmann (Univ. Dortmund): Einsatz und Anwendung von SEU in der Ausbildung
Zusammenfassung: wird noch nachgeliefert


Inge Hanschke (Heimbach GmbH & Co., Düren): SEU für ein mittelständisches Fertigungsunternehmen
Zusammenfassung: Der Einsatz einer SEU in einem Unternehmenskontext steht in dem Spannungsfeld der folgenden Aspekte:

Zusätzliche Komplexität entsteht dadurch, daß die Komponenten einer (mehr oder weniger sprunghaften) Entwicklung unterworfen sind. Vor diesem Hintergund hat die Fa. Heimbach einen pragmatischen Ansatz gewählt, der leicht erlernbar ist, eine homogene Umgebung aufweist, auf etablierten Standards beruht und zugleich tragfähige und zukunftssichere Konzepte beinhaltet. Der Vortrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand.


Willi Hasselbring (Univ. Dortmund): Erfahrungen mit dem Einsatz von Objectory in der Softwaretechnik-Ausbildung
Zusammenfassung: Objectory ist ein CASE-Werkzeug für die objektorientierte Entwicklungsmethodologie OOSE. In diesem Beitrag wurde über den Einsatz von Objectory innerhalb der universitären Ausbildung in Softwaretechnik berichtet. Objectory wurde u.a. für die vorlesungsbegleitenden Übungen zu einer Softwaretechnologie-Vorlesung und einen Kurs zur objektorientierten Software-Entwicklung eingesetzt. Die Übungs- und Kursaufgaben werden kurz vorgestellt und die Erfahrungen bei der Bearbeitung mittels Objectory diskutiert. (Literatur: W. Hasselbring: Erfahrungen mit dem Einsatz von Objectory für vorlesungsbegleitende Übungen in der Softwaretechnik-Ausbildung, Softwaretechnik-Trends 16(2):10-15, Mai 1996.)


Udo Kelter (Univ. Siegen): Unterstützung von Themenbereichen in OOA in ToolFrame
Zusammenfassung: Im Rahmen einer Diplomarbeit wurde an unserer Fachgruppe für ein mittelständisches metallverarbeitendes Unternehmen eine Systemanalyse incl. Datenbankentwurf realisiert. Für die Systemanalyse wurde OOA eingesetzt, als unterstützendes Werkzeug den OOA-Editor von ToolFrame (auf Basis von H-PCTE). Als wesentlicher Nachteil von OOA stellt sich in der Praxis heraus, daß diese Methode kein Abstraktionskonzept enthält: bei mehr als ca. 20 Klassen wird ein einziges Diagramm (das dann typischerweise DIN A2-Format hat) viel zu unübersichtlich. Themenbereiche oder Subsysteme bieten keine echte Lösung an: man verliert jede Detailinformation. Gelöst wurde das Problem durch eine andere Art von ``Themenbereichs''-Konzept für OOA-Diagramme: ein Themenbereich ist ein OOA-Diagramm, auf dem nur eine Teilmenge des gesamten OOA-Diagramms incl. aller Details dargestellt wird. Themenbereiche können beliebig überlappen und beliebig editiert werden (sogar parallel; Änderungen werden durch den Notifikationsmechanismus von H-PCTE fortgepflanzt).


Ulrich Kriegel (ISST Berlin): Eine Entwicklungsumgebung für FAPU - vom objektorientierten Entwurf zur Implementation
Zusammenfassung: FAPU (FORTRAN APPLICATION and Program Understanding) ist ein System, das als Gemeinschaftsprojekt (06/94 - 05/96) vom Fraunhofer ISST und dem Wiss. Zentrum der IBM/Institut für Datenbanken und Software-Engineering entwickelt wurde. Ziel des FAPU-Arbeitsplatzes ist es, Software-Ingenieure beim Verstehen großer FORTRAN-Anwendungen zu unterstützen. Randbedingungen für die Realisierung von FAPU waren die Verwendung von C++ als Programmiersprache und die Nutzung der objektorientierten Datenbank ObjectStore [1] für die persistente Speicherung interner Objekte. Parallel dazu wurde ein internes Projekt am Fraunhofer ISST gestartet, das eine Entwicklungsumgebung zur Realisierung von FAPU entwickeln sollte. Hier ging es hauptsächlich darum, im Software-Entwicklungsprozeß die Phasen objektorientierter Entwurf und Implementation sowie generell die Arbeit mit ObjectStore und kooperatives Arbeiten durch Werkzeuge zu unterstützen. Als Plattform für die Entwicklung dienten Sun/SPARC-Arbeitsstationen, die Zielpattform sind IBM/RS6000. Nach einer Auswahl-Phase, in der mehrere Werkzeuge zum objektorientierten Entwurf evaluiert wurden, erfolgte eine Entscheidung zugunsten von Rational Rose/C++ [2]. Dieses Werkzeug genügt zumindest den folgenden Bedingungen:

Zur Unterstützung der Implementation wurde das Werkzeug Takefive/SNiFF+2.x [4] eingesetzt, das Hierarchien von Arbeitsbereichen verwalten kann. Beide Werkzeuge arbeiten über einem gemeinsamen Repository, das durch das Revisions-Kontroll-System RCS [5] verwaltet wird. SNiFF erlaubt den Anschluß von eigenen Menüs, über die folgende Hilfsprogramme angeschlossen wurden: Zur Aktualisierung des Projektbereiches wurde ein Prozeß installiert, der arbeitstäglich einen neuen Arbeitsbereich mit Dateien erstellt, die von den Bearbeitern für den Integrationstest freigegeben wurden. In diesem Arbeitsbereich wird automatisch ein neues FAPU-System genieriert und getestet. Ist der Test erfolgreich verlaufen, so wird der Gruppenarbeitsbereich mit der Konfiguration des Testbereichs aktualisiert, der Bearbeitungszustand der entsprechenden Dateien wird modifiziert. Danach werden die Bearbeiter per email unterrichtet, daß sie ihre lokalen Arbeitsbereiche aktualisieren können.

Die Konfigurationen der lokalen Arbeitsbereiche und des Gruppenbereiches werden im Repository verwaltet, so daß bei der Entwicklung auch auf einen vorhergehenden Entwicklungszustand zurückgegangen werden kann.

Die Erfahrungen bei der Benutzung der Entwicklungsumgebung waren nach Anfangsschwierigkeiten durchweg positiv.

Die hier gewonnenen Erkenntnisse werden im Projekt ``SPU'' [6] genutzt, um gemeinsam mit 3 Berliner Firmen eine Software-Entwicklungsumgebung speziell für kleine und mittelständische Unternehmen zu schaffen.

[1] http://www.odi.com
[2] http://www.rational.com
[3] G.Booch, ``Object-Oriented Analysis and Design'', Benjamin/Cummings, 1994
[4] http://www.takefive.com
[5] W. F. Tichy, ``RCS - A System for Version Control'', Software-Practice & Experience 15, 7 (July 1985), 637-654.
[6] http://www.isst.fhg.de/spu/SPU.html


Matthias Suilmann (CCI GmbH, Meppen): Einsatz von PCMS in einer prozessorientierten Softwareentwicklungsumgebung
Zusammenfassung: In dem Vortrag wurde der Einsatz des Konfigurationsmanagementwerkzeuges PCMS bei der Competence Center Informatik GmbH (CCI) dargestellt. Die CCI ist ein unabhängiges System- und Softwarehaus mit den Schwerpunkten Dokumentenmanagement, Einsatzleitsysteme, Eingebettete Realzeit-Systeme und IT-Sicherheit. Die in der Projektarbeit entstehenden Produkte erfordern eine leistungsfähige Versions- und Variantenverwaltung. Für die Unterstützung unterschiedlicher Prozeßmodelle (V-Modell, MIL-STD 498, DO 178B etc.) ist darüber hinaus auch eine einfache Anpassung des projektspezifischen Projektmanagements erforderlich, wobei die Unternehmensrichtlinien gemäß ISO 9001 berücksichtigt werden müssen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, wurde eine 'process engine' definiert, die es erlaubt, aus einem Meta-Modell heraus die jeweiligen projektspezifischen Regelungen der Prozeßmodelle festzulegen. Aus dem Meta-Modell lassen sich zwei Arten der Projektsteuerung und -kontrolle ableiten:

Die Implementierung des Meta-Modells für CCI-spezifische wurde mit dem Konfigurationsmanagementwerkzeug PCMS durchgeführt.


Ralf Tomaschewski (Deutsche Bank, Eschborn): Der Entwicklerarbeitsplatz der Deutschen Bank
Zusammenfassung: Der Entwickler-Arbeitsplatz (EAP) ist die Integrationsplattform für in der Deutschen Bank eingesetzte Entwicklungs- und Testwerkzeuge auf einer Workstation. Er unterstützt die Erstellung sowohl von PC-stand-alone- und Client/Server Anwendungen als auch die Entwicklung reiner HOST-Systeme. Vorgeführt wurde die Information Engineering Entwicklungslinie mit den Werkzeugen KEY(ADW) und Micro Focus Workbench.


Andreas Wehringer (MIGROS-Genossenschafts-Bund): Einführung eines Client/Server orientierten CASE-Tools - Resume nach 2 Jahren
Zusammenfassung: Der MIGROS-Genossenschafts-Bund als Koordinierungs- und Lenkungsinstrument für das größte Schweizer Handels- und Dienstleistungsunternehmen hat für seine SW-Entwicklungsabteilung Mitte 1992 die Einführung einer modernen Software-Entwicklungsumgebung beschlossen. Einer sorgfältigen Anforderungsanlayse und Markterhebung für zeitgemäße Methoden und Tools folgte ein mehrstufiger Auswahlprozess. Die wichtigsten Ziele waren: Die Verbessserung der Applikationsqualität (Zuverlässigkeit, Benutzerfreundlichkeit, Zeitverhalten, Wartungsfreundlichkeit), Reduktion der Entwickungskosten, Verbesserung der Kommunikation mit den internen Auftraggebern, Transparenz im Entwicklungsprozeß (Projektverfolgung) und die Erhöhung der Konkurrenzfähigkeit gegenüber externen Anbietern. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt wurde die Einführung auf breiter Front beschlossen, die neben erheblichen Investitionen in Sachmittel vor allem auch die Anpassung des mitausgewählten Vorgehensmodells und eine intensive Schulung der Mitarbeiter erforderte. Pro Mitarbeiter wurden im Schnitt 35 Schulungstage aufgewendet. Seit Anfang 1995 werden alle neuen Applikationen unter MS-Windows in Client/Server-Technik mit einer ORACLE Datenbank mit der neuen, integrierten CASE-Umgebung erstellt. Dier ersten 6 Projekte, die jetzt zumindest in den ersten Ausbaustufen abgeschlossen sind, wurden überwiegend gut bis sehr gut beurteilt. Einzig die Wartungsfreundlichkeit konnte nicht ganz in dem erhofften Ausmaß verbessert werden. Als Erfolgsfaktoren für ein solches Vorhaben wurden folgende Punkte festgestellt: Strategischer Ansatz, Unterstützung durch das DV-Management, frühzeitige und laufende Information der Betroffenen sowie deren Einbezug soweit wie möglich, Begleitung durch einen ins Team passenden externen Berater, Kommunikationskultur im Unternehmen (=3DBerücksichtigung der Humanfaktoren), Mischung aus umfassender Organisation und Hemdsärmeligkeit. Die wichtigsten Komponenten der SEU sind: Systems Engineer vom LBMS mit Generatoren für Visual Basic und ORACLE, Process Engineer von LBMS mit Interface zu MS-Project und Generator für Helpfile, selbstenwickelte Window-Klassen in Visual Basic.


Hans-Josef Wolber, Manfred Fidelak (Stadtwerke Düsseldorf AG): Einsatz des ARIS-Toolsets bei den Stadtwerken Düsseldorf AG
Zusammenfassung: Die optimale dv-technische Unterstützung von betrieblichen Prozessen setzt zunächst eine Kenntnis der Abläufe und deren Verknüpfungen auf Fachkonzeptebene voraus. Mit dem ARIS-Toolset als Upper-Case-Tool gelingt deren Dokumentation, die über strukturierte Grafiken und Hinterlegung von Textattributen dem Einstieg in die Systemauswahl bzw. -entwicklung und/oder
-einführung dient. In diesem Vortrag wird die Vorgehensweise des ARIS-Einsatzes und die sich aus zahlreichen Projekten ergebenden Erfahrungen bei den Stadtwerken Düsseldorf vorgestellt. Ein praktisches Beispiel aus dem Bereich einer Müllverbrennungsanlage rundet die Präsentation ab.



zurück zur Startseite der Softwaretechnik-Trends , zu Band 16 Heft 4