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Konferenzbericht zur Softwaretechnik 95,
9.-11.10.1995, TU Braunschweig

Überblick

Mit dem erklärten Ziel, ,,Theorie und Praxis miteinander ins Gespräch zu bringen und dabei eine Verbindung zwischen den verschiedenen methodischen Ansätzen herzustellen``, veranstaltete der GI-Fachausschuß 2.1 (Softwaretechnik und Programmiersprachen) zusammen mit dem Verbund SofTec NRW e.V. die Softwaretechnik 95 am 10. und 11. Oktober in Braunschweig. Rund 100 Teilnehmer aus Hochschulen und Industrie erlebten eine äußerst interessante Tagung mit drei eingeladenen Vorträgen sowie dreizehn vom Programmkomitee ausgewählten Beiträgen. Das Themenspektrum umfaßte Gebiete wie z.B. Objektorientierung, Software-Wiederverwendung, Prototyping, Qualitätssicherung, Konfigurationsmanagement, Einsatz formaler Methoden, Benutzungsoberflächen und Software-Ergonomie. Parallel zu den Vorträgen fanden Vorführungen verschiedener Werkzeuge im Rahmen einer Poster- und Demo-Session statt. Einen detaillierten Eindruck sowohl zu den Fachbeiträgen als auch zu den präsentierten Systemen vermittelt der zugehörige Tagungsband (Softwaretechnik-Trends, Band 15, Heft 3). Wir verzichten daher an dieser Stelle auf eine ausführliche Darstellung der Beiträge.

Ergänzt wurde die Tagung von einem Tutoriumsprogramm zur Modellierung von Geschäftsprozessen und zur Entwicklung von GUI-Software. Weiterhin fanden Fachgruppentreffen zur Fachgruppe 2.1.1 (Software Engineering) und zu den noch in der Gründungsphase befindlichen Fachgruppen 2.1.8 (Software-Entwicklungsumgebungen) und 2.1.9 (Objektorientierte Software-Entwicklung) statt.

Schwerpunktthema: Förderung der Softwaretechnik

Auf besonderes Interesse stieß der Tagungseinstieg mit einer Gegenüberstellung der Forschungsförderung der Softwaretechnik in Indien und Deutschland.

Zunächst stellte der 1. Sekretär der indischen Botschaft, Herr S. Chowdhary, den Stand der Softwaretechnik in Indien dar und erläuterte sehr eindrucksvoll die Wettbewerbsvorteile, die er für Indien bei der zunehmenden Globalisierung der Märkte im Softwaretechnikbereich sieht. Neben dem guten Ausbildungsstand in der Softwaretechnik und ausgebauten Rechnernetzen als notwendige Infrastruktur wurden immer wieder die geringen Personalkosten als entscheidender Faktor genannt. Die vorgetragenen Argumente erhalten zusätzliches Gewicht aufgrund aktueller Erfolge der indischen Software-Industrie gerade auch im europäischen Markt.

Vor diesem Hintergrund erläuterte dann der zuständige Staatssekretär des BMBF, Herr Dr. B. Reuse, die Programme der deutschen Forschungsförderung im Bereich der Softwaretechnik. Demnach beträgt 1995 der BMBF-Gesamtetat zur Förderung der Informationstechnik 1130 Mio. DM. Davon entfallen 15 Mio. auf den engeren Bereich der Softwaretechnik. Unterstützt werden im Rahmen einer Software-Initiative schwerpunktmäßig Verbundprojekte (zwischen Industrie, Forschungseinrichtungen und Hochschulen) zur Modellierung technischer Systeme und Prozesse, zur Pflege und Wiederverwendung von Anwendungssystemen und zur Sicherheit und Zuverlässigkeit. Ziel der Förderung ist die Stärkung der Innovationskraft und Konkurrenzfähigkeit der deutschen Software-Hersteller und der zugehörigen Forschungsaktivitäten.

Im Anschluß an die beiden Vorträge wurden die Grundzüge der Förderpolitik kontrovers diskutiert. Wichtige Aspekte der Diskussion lassen sich vielleicht am ehesten in der Form von Fragen zusammenfassen: Entspricht der vorgesehene Anteil am Gesamtfördervolumen der tatsächlichen Bedeutung der Softwaretechnik? Muß nicht auch die Grundlagenforschung mit dem Ziel einer langfristigen Sicherung der Konkurrenzfähigkeit massiv gefördert werden? Wie verbessert man den Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Industrie? Wie begegnet man dem Problem vergleichsweise hoher Personalkosten bei einer weiter fortschreitenden Globalisierung der Märkte? Im Rahmen der Diskussion konnten diese Fragen natürlich nicht endgültig beantwortet werden, so daß sie an geeigneter Stelle fortgeführt werden sollte.

Am Rande

Starker Andrang herrschte am Abend des ersten Konferenztags beim Bankett, das in der Dornse, dem historischen Rathaus von Braunschweig, stattfand. Kultureller Höhepunkt dieses Abends war sicherlich das vom Tagungsleiter, Prof. Snelting, geleitete Männerquartett, das mehr oder weniger klassische Musik mit softwaretechnologisch verfremdeten Texten (die mit freundlicher Genehmigung von Herrn Snelting nachfolgend abgedruckt sind) darbot.

Vormerken!

Zukünftig wird die Softwaretechnik jeweils in den Jahren mit gerader Jahreszahl durchgeführt (d.h. nur noch alle zwei Jahre). Die nächste Tagung wird als Softwaretechnik 96 am 12. und 13. September 1996 in Koblenz stattfinden. Es wäre sicherlich im Sinne des gewünschten Dialogs zwischen Theorie und Praxis, wenn die Industriebeteiligung bei Teilnehmern und Beiträgen erhöht werden könnte.

Bernhard Convent (FH Gelsenkirchen)
Wolfgang Wernecke (IBM Wiss. Zentrum Heidelberg)



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