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Software Process Technology - Fourth European Workshop
3-5 April 1995, Noordwijkerhout, Niederlande

Volker Gruhn1


Positionierung des Workshops

Die European Workshops on Software Process Technology (EWSPTs) sind Veranstaltungen, die sich im Hinblick auf Teilnehmerzahl und Organisationsform an den schon länger etablierten International Software Process Workshops orientieren. Im Gegensatz zu diesen wird bei den EWSPTs jedoch ein stärkerer Schwerpunkt auf technische Diskussionen gelegt. Die Teilnehmer kommen in der Regel zu ca. 90% aus der europäischen Software-Prozeß-Szene. Die EWSPTs werden seit einiger Zeit stark durch die Promoter Arbeitsgruppe, die im Rahmen von ESPRIT III gefördert wird, geprägt.

Die EWSPTs heißen nicht nur Workshops, sondern sind auch tatsächlich welche. Das heißt, daß aktuelle Themen in der Software-Prozeß-Technologie ausführlich diskutiert werden. Die Tatsache, daß als Teilnehmer nur die Autoren von Einreichungen, die in einem formalen Begutachtungsprozeß ausgewählt werden, in Frage kommen, sorgt für kompetente Diskussionsteilnehmer.

In dieser Ausrichtung hat es bisher vier EWSPTs gegeben:

1.
First European Workshop on Software Process Modeling, Mai 1991 in Mailand, Italien, Eds.: A. Fuggetta, R. Conradi, V. Ambriola, veröffentlicht von der Associazione Italiana per l'Informatica ed il Calcolo Automatico
2.
Software Process Technology - 2nd European Workshop, September 1992 in Trondheim, Norwegen, Ed.: J.-C. Derniame, Lecture Notes in Computer Science (LNCS) 635, Springer
3.
Software Process Technology - 3rd European Workshop, Februar 1994 in Villard de Lans, Frankreich, Ed.: B.C. Warboys, LNCS 772, Springer
4.
Software Process Technology - 4th European Workshop, April 1995 in Noordwijkerhout, Niederlande, Ed.: W. Schäfer, LNCS 913, Springer

Statistisches am Rande

Die Organisation des EWSPT4 ist von Gregor Engels (Uni Leiden) übernommen worden, Wilhelm Schäfer (Uni Paderborn) war Vorsitzender des Programmkomitees. Es gab ca. 50 Einreichungen, wovon ungefähr die Hälfte aus Positionspapieren und die andere Hälfte aus vollständigen, technischen Beiträgen bestand. Im Tagungsband sind ca. 20 Positionspapiere und sieben technische Beiträge erschienen. Am Workshop haben 38 Personen aus sieben europäischen Ländern, Kanada, den U.S.A. und Australien teilgenommen.

Themen

Die Aufteilung der angenommenen Beiträge in Sitzungen spiegelt einerseits einige der ganz aktuellen Themen der Software-Prozeß-Technologie wieder (Metriken, Anwendungserfahrungen, verteilte Modellierung) und greift andererseits einige andere, seit langem diskutierte Themen auf (Prozeßmodellierungssprachen, Meta-Prozesse). In allen Sitzungen wurde Wert auf die prägnante Vorstellung von Inhalten gelegt (kaum eine Präsentation in Form eines Vortrags hat länger als 15 Minuten gedauert), so daß ausreichend Zeit für Diskussionen zur Verfügung stand. Die Diskussionsdisziplin der Teilnehmer sowie die situative Moderation durch die Sitzungsleiter hat in fast allen Sitzungen zu zielgerichteten Diskussionen geführt. Im einzelnen wurden in den Sitzungen die folgenden Themen behandelt:

Metrics and Analysis
 
In dieser Sitzung, die aufgrund der beiden technischen Beiträge von A. Bröckers und C. Lott stark durch Kaiserslauterner Konzepte bestimmt war, wurde die Notwendigkeit der Messung von Software-Prozessen ausführlich erörtert und auf einige Konzepte zur automatischen Integration von Messungen in Prozesse eingegangen.

Application Experiments
 
Diese Sitzung zielte auf Erfahrungen beim Einsatz von Prozeß-Technologie in echten Software-Prozessen ab. Die Beschreibung eines solchen Prozesses aus der Entwicklung von Raumfahrt-Software durch L. Strader war einer der Höhepunkte des gesamten Workshops.

Open Issues in the Design of PMLs
 
Diese Sitzung beschäftigte sich mit einem Thema, das seit Anbeginn der Software-Prozeß-Technologie für eine der grundlegenden Kontroversen sorgt. Erfreulicherweise blieb die Diskussion nicht in der bekannten Frage, welches Sprachparadigma denn wohl am besten für die Prozeßmodellierung geeignet sei, stecken, sondern führte noch zu dem Konsens, daß es im Hinblick auf die zu erreichende Akzeptanz wesentlich ist, einfache Sprachen anzubieten (keep it simple and stupid!).

Related Domains
 
Die Related Domain-Sitzung gehörte in den Augen vieler Teilnehmer zu den Höhepunkten des gesamten Workshops, weil sich um die Frage, ob die Software-Prozeß-Leute aus anderen Bereichen (z.B. Geschäftsprozeß-Modellierung, Workflow Management) etwas lernen könnten, engagierte Diskussionen ergaben (ein eindeutiges Verdienst der geschickten Moderation von C. Tully).

Distributed Modelling Session
 
Die Fragen der verteilten Modellierung wurden erstmals im Rahmen einer eigenen Sitzung erörtert, so daß keine fertigen Lösungen vorgestellt werden konnten. Stattdessen wurden viele interessante Probleme diskutiert, die eine Weiterführung und Intensivierung der Forschung zu diesem Thema sinnvoll erscheinen lassen.

Mechanisms for Cooperation
 
In dieser Sitzung wurden verschiedene Ansätze zur Koordination von Aktivitäten und Prozeßbeteiligten diskutiert.

Change and Meta-Process
 
Die Sitzung zum Thema der Evolution von Prozeßmodellen und zum Einbau von Modelländerungen in aktuelle Prozeßmodelle war eine der weniger zielgerichteten und brachte kaum neue Erkenntnisse.

Sonstiges



Footnotes

... Gruhn1
LION GmbH, Universitätsstr. 140, D-44799 Bochum, gruhn@lion.de



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