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Bericht zur organisatorischen Umgestaltung
des Fachausschusses 2.1 und der Fachgruppe 2.1.1

Udo Kelter, Universität Siegen


Vorwort

Seit Jahren wird in der Fachgruppe 2.1.1 über eine organisatorische Umgestaltung diskutiert. Diese Bemühungen haben inzwischen zu ersten Resultaten geführt und werden im Laufe dieses Jahres zu einer wesentlichen Umstrukturierung des Fachausschusses 2.1 führen.

Dieses Papier berichtet über die Motive zur organisatorischen Umgestaltung und den aktuellen Stand. Es erhebt nicht den Anspruch, eine vollständige Aufarbeitung der langen Historie zu sein, und es ist keine offizielle Stellungnahme des Leitungsgremiums der Fachgruppe 2.1.1 oder irgendeines anderen Gremiums. Obwohl ich versucht habe, möglichst objektiv zusammenzufassen, und obwohl ich Kommentare einiger Leser einer früheren Version eingearbeitet habe, liegt ihm meine letztlich meine eigene, subjektiv gefärbte Wahrnehmung der Dinge zugrunde.

Hintergrund und Motive

In diesem Abschnitt soll zunächst versucht werden zu beschreiben, welche Probleme eine Umorganisation nahegelegt haben. Hierbei beziehe ich mich auf den Zustand bis 1994 und früher. Im folgenden Abschnitt wird dann die derzeit verfolgte Umstrukturierung vorgestellt.

Der geringe Grad an Aktivitäten innerhalb der Fachgruppe:  

Die Fachgruppe 2.1.1 ist nach der Mitgliederzahl (derzeit rund 4100) seit Jahren eine der größten Fachgruppen innerhalb der GI. Ebenfalls seit Jahren steht dazu in eklatantem Gegensatz das geringe Ausmaß an fachlichen Aktivitäten, sei es in Form von Arbeitskreisen, Workshops, eigenen Jahrestagungen usw. Dies wurde schon immer als Mißstand empfunden und es wurde immer wieder - erfolglos - versucht, diesen Zustand zu ändern.

Eine naheliegende Erklärung für die geringe Aktivität vieler Mitglieder der Fachgruppe ist, daß diese aufgrund ihrer beruflichen Situation zwar am Themenkreis Softwaretechnik interessiert sind und sich über aktuelle Entwicklungen auf dem laufenden halten möchten, selbst aber keine Zeit oder Interesse haben, aktiv an einzelnen Arbeitskreisen oder sonstigen Aktivitäten teilzunehmen. Wesentliche Motivation dieser Mitglieder für ihre Mitgliedschaft ist daher der Bezug der Softwaretechnik-Trends. Es ist zu vermuten, daß die Mehrheit der Mitglieder der Fachgruppe solche ``reinen Trends-Abonnenten'' sind. Es besteht allgemein Konsens darüber, daß auch solche Mitglieder sehr willkommen sind, zumal es erklärte Absicht der GI ist, auch ``Praktiker'', die sich aufgrund der beruflichen Belastung nicht aktiv in der GI beteiligen können, einzubinden. Jede Umorganisation muß daher die Randbedingung erfüllen, daß diesen Mitgliedern weiterhin der Bezug der Softwaretechnik-Trends möglich ist. Per definitionem ist aber jeder Versuch aussichtslos, diese Mitglieder zu stärkerem Engagement zu überreden.

Wenn wir nun die reinen Trends-Abonnenten ausklammern, stellt sich die Frage, ob unter den verbleibenden Mitglieder solche sind, die sich zwar eigentlich gerne in bestimmter Weise engagieren würden, dies aber aufgrund irgendwelcher Hindernisse bisher nicht tun. Als Hindernisse sind denkbar:

das zu große Themenspektrum der Fachgruppe. Die Softwaretechnik umfaßt, wenn man den Begriff weit faßt, sehr viele Einzelthemen. Das Interessenspektrum der Mitglieder muß daher als sehr heterogen angenommen werden. Die Fachgruppe als solche ist kein Kristallisationspunkt, durch den Interessenten an einem bestimmten engeren Thema zueinander geführt werden würden. (Umgekehrt zeigen die beiden größeren Arbeitskreise der Fachgruppe, daß zum Teil überraschend viel Aktivität entstehen kann, sobald ein solcher Kristallisationspunkt vorhanden ist.)

die große Zahl der Mitglieder. Diese kann ähnlich, wie eine zu große Diskussionsrunde auf die Diskussionsbereitschaft einzelner Teilnehmer typischerweise lähmend wirkt, individuelle Aktivitäten verhindern.

Eine naheliegende Maßnahme hiergegen ist die Bildung kleinerer Fachgruppen oder Arbeitskreise.

Größe der Fachgruppe 2.1.1 und ihrer Arbeitskreise im Vergleich zu anderen Fachgruppen:  

Die GI hat eine dreistufige organisatorische Gliederung in Fachbereiche, Fachausschüsse und Fachgruppen. Dabei wird unterstellt, daß die eigentliche fachliche Arbeit (z.B. Informationsaustausch, Organisation von Tagungen, Arbeit an gemeinsamen Papieren usw.) auf der Ebene der Fachgruppen stattfindet und daß eine Fachgruppe typischerweise zwischen 10 und 100 Mitglieder hat. Mit größenordnungsmäßig 5000 Mitgliedern fällt die Fachgruppe 2.1.1 völlig aus diesem Schema.

Arbeitskreise werden in der Struktur der GI nach außen gar nicht dargestellt, da sie eigentlich eher für zeitlich beschränkte Aktivitäten in noch kleineren Gruppierungen gedacht sind. Die beiden großen Arbeitskreise in der Fachgruppe 2.1.1 haben zwischen 50 bzw. 100 Mitglieder und veranstalten seit mehreren Jahren regelmäßige Arbeitstreffen. Diese Arbeitskreise sind daher typische Kandidaten für neue Fachgruppen.

Stellung der Softwaretechnik innerhalb der GI-Struktur:  

Die schon oben erwähnte Struktur der GI kann man sich idealisiert als eine schrittweise Aufteilung der Themengebiete in der Informatik vorstellen. Dieses Ideal wird allerdings nicht annähernd erreicht, was teilweise durch historische Zufälligkeiten zu erklären ist und vor allem dadurch, daß einzelne Bereiche unterschiedlich wachsen oder schrumpfen; hierdurch wird nach einigen Jahren die Struktur ``debalanciert''; eine Neubalancierung ist aber nur mit vieljähriger Verzögerung möglich. Der Fachausschuß 2.1 ist mit einem Alter von weit über 10 Jahren ein typisches Beispiel hierfür. Die Bedeutung der Softwaretechnik ist seitdem wesentlich gestiegen und durch eine Fachgruppe innerhalb der GI wie auch nach außen nicht mehr angemessen repräsentiert.

Fachgruppe Requirements Engineering:  

Die Fachgruppe 4.3.1 Requirements Engineering ist historisch bedingt organisatorisch in ``großer Entfernung'' von der Fachgruppe 2.1.1 innerhalb der GI-Struktur angeordnet. Dies entspricht in keiner Weise der heute üblichen Auffassung, wonach das Requirements Engineering zwar als umfangreiches Gebiet mit eigenem Gewicht, aber dennoch als Teil der Softwaretechnik angesehen wird, mit vielen Bezügen zu anderen Phasen der Softwareentwicklung. Diese fachliche Nähe drückt sich jetzt schon darin aus, daß die Softwaretechnik-Tends gemeinsames Organ der Fachgruppen 2.1.1 und 4.3.1 ist.

Die neue Struktur

Im Laufe der Diskussionen sind mehrere Lösungen diskutiert worden, die ich hier nicht alle vorstellen möchte. Wesentliche Elemente der letztlich gewählten Lösung sind:

Aus den beiden schon existierenden großen Arbeitskreise in der Fachgruppe 2.1.1 werden neuen Fachgruppen gebildet.

Die Fachgruppe 4.3.1. wird in den Fachausschuß 2.1 verlagert und bekommt die neue Nummer 2.1.6.

Hinzu kommt eine weitere neue Fachgruppe zum Thema ``Objektorientierte Software-Entwicklung''.

Die Fachgruppe 2.1.1 bleibt weiter bestehen; Mitglieder, die nur am Bezug der Softwaretechnik-Trends interessiert sind, sollten in der Fachgruppe 2.1.1 Mitglied werden bzw. bleiben.

Der Fachausschuß 2.1 wird umbenannt in ``Softwaretechnik und Programmiersprachen'', um die Bedeutung der Softwaretechnik besser zu repräsentieren.

Die drei neuen Fachgruppen befinden sich derzeit ``in Gründung'', ihre konstituierenden Treffen werden voraussichtlich im Herbst 1995 stattfinden, teilweise am Rande der Jahrestagung der Fachgruppe. Nach Vollzug dieser Gründungen hat der Fachausschuß 2.1 folgende Fachgruppen:

2.1.10

Nach dem derzeitigen Stand der Gespräche werden die Mitglieder der Fachgruppen 2.1.1 und 2.1.6 bis 2.1.9 ab 1996 automatisch im Rahmen ihrer Mitgliedschaft die Softwaretechnik-Trends beziehen, allerdings nur einmal bei Mitgliedschaft in mehreren dieser Fachgruppen. Ebenso ist der Fachgruppenbeitrag nur einmal zu zahlen. Die organisatorischen Details müssen in den kommenden Monaten noch mit der Geschäftsstelle der GI abgesprochen werden.

Diejenigen Mitglieder der Fachgruppe 2.1.1, die sich an der fachlichen Arbeit in einer der anderen Fachgruppen des Fachausschusses 2.1 beteiligen wollen, sollten sich dort als Mitglied anmelden. Eine Mitgliedschaft in der Fachgruppe 2.1.1 und einer oder mehreren der anderen Fachgruppen ist problemlos möglich.

Mitglieder, die primär am Bezug der Softwaretechnik-Trends interessiert sind, sollten Mitglied in der Fachgruppe 2.1.1 bleiben.



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