Informationen zur geplanten Medieninformatik
an der Universität - GH Siegen
Was ist Medieninformatik?
Warum gerade in Siegen Medieninformatik studieren?

Juli 2000

1 Umfeld

Neue Medien durchdringen in unserer sich abzeichnenden ``Informationsgesellschaft'' alle relevanten gesellschaftlichen Bereiche wie Wirtschaft, Industrie, Verwaltung und Bildung und betreffen Aspekte wie:

Technische Grundlage der neuen Medien sind die Digitalisierung vormals analoger oder physischer Medien und Vernetzung in digitalen Netzwerken. Diese Technologien entwickeln sich seit langem anhaltend und rasant fort, was sich in immer leistungsfähigeren Rechnern, größeren Massenspeichern und höheren Bandbreiten in Netzwerken äußert; ein Ende der Entwicklung ist noch nicht absehbar. Trotz gestiegener Leistung sinken gleichzeitig die Preise der Produkte; letzteres schafft die Basis für immer neue Anwendungen in breiten Märkten. Hinzu kommen psychologische oder politische Trendsgif.

1.1 Arbeitsmarkt

Durch den Einsatz neuer Medien entstehen vielfältige berufliche Aufgaben bei ganz unterschiedlichen Klassen von Arbeitgebern bzw. Wirtschaftszweigen; Beispiele sind:

Die beruflichen Perspektiven im Medienbereich werden generell als sehr gut eingeschätzt, speziell auch in NRW. Beispielhaft ist folgendes Zitat [1]:

``Medienwirtschaft in Nordrhein-Westfalen -- wie kaum eine andere Wirtschaftsbranche steht die Medienwirtschaft für den Strukturwandel im Lande. Keine andere europäische Region hat in den letzten Jahren eine solche Entwicklung auf dem Mediensektor erlebt wie Nordrhein-Westfalen. Wir sind heute der Medienstandort Nummer 1 in Deutschland. Ein Gutteil der Medienwirtschaft Nordrhein-Westfalens konzentriert sich in der Region Köln, aber nicht nur dort, sondern an vielen anderen Standorten im Lande haben sich Medienunternehmen niedergelassen und bieten eine breite Palette von Beschäftigungsmöglichkeiten an.''

1.2 Forschung

Durch die neuen Medien entstehen auch in der Forschung vielfältige Fragestellungen. Diese betreffen zum einen die technologischen Grundlagen. Beispiele hierfür sind Algorithmen in der Computergraphik, Bilderkennungsalgorithmen, Netzwerkprotokolle und Datenübertragungstechniken, Netzwerk-Programmiersprachen, Algorithmen zum Retrieval in multimedialen Datenbanken und vieles andere mehr.

Ebensowichtig sind Fragen im Zusammenhang mit der Nutzung und inhaltlichen Gestaltung der neuen Medien, die im spezifischen Kontext der Anwendungsbereiche zu untersuchen sind. Zusätzliche Querschnittsfragenstellungen betreffen die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen.

Medienberufe und -Kompetenzen

Durch den Einsatz neuer Medien entstehen viele neue berufliche Aufgaben. Diese betreffen inhaltliche, technische und organisatorische Aspekte. Eine Vielzahl von Bezeichnungen für entsprechende Qualifikationen tritt in Stellenanzeigen und Fortbildungsangeboten auf; diese Vielfalt an Bezeichnungen ist insofern irreführend, als es tatsächlich nur wenige, immer wiederkehrende Kernkompetenzen gibt. Nach den Aussagen wichtiger Arbeitgeber und aufgrund von Arbeitsmarktanalysen [3] sollten Studenten hinsichtlich ihrer Berufschancen den Arbeitsmarkt wie folgt einschätzen:

  1. In den Medienberufen gibt es die folgenden vier Kernkompetenzen (vgl. auch [2]):

  2. Studenten sollten sich in wenigstens einer dieser Kernkompetenzen als Experte qualifizieren. Gerade bei einem akademischen Abschluß wird erwartet, daß die Absolventen auch ``querdenken'' und über den Tellerrand des Tagesgeschäfts hinaussehen können. Bei der Auswahl sollten persönliche Interessen und Talente mitentscheiden.

    Wegen des Umfangs der Bereiche ist es fraglich, ob man sich in einem zügig absolvierten Studium in mehrere Kernkompetenzen zum Experten heranbilden kann. Eher negativ eingeschätzt wird eine fehlende Profilierung, wenn auf mehreren Gebieten nur Halbwissen vorhanden ist.

  3. Am Arbeitsmarkt existieren derzeit nur wenige Stellen, auf denen ausschließlich in einem einzigen Kernkompetenz-Bereich oder auch nur ausschließlich im Medienbereich gearbeitet wird. Von Absolventen wird daher die Bereitschaft erwartet, sich zusätzlich in andere (benachbarte) Gebiete einzuarbeiten, typischerweise unterstützt durch interne Qualifizierungsmaßnahmen der Arbeitgeber.

Wir konzentrieren uns i.f. auf das Gebiet der Medienprogrammierung. Hier stellt sich die Frage, ob die Basis eine Ausbildung für die Medienprogrammierung eher im geisteswissenschaftlichen Bereich oder im technischen Bereich, also in der Informatik, liegen soll, natürlich mit ergänzenden Fächeranteilen im jeweils anderen Bereich. Beide Varianten sind nicht undenkbar; für die Informatik als Basis sprechen zwei Argumente:

2 Was ist Medieninformatik?

Der Begriff Medieninformatik ist noch jung und noch nicht fest etabliert.

Die Konzeption der Medieninformatik in Siegen basiert direkt auf den generellen Überlegungen zum Spektrum der Medienberufe und -kompetenzen, die im vorigen Abschnitt vorgestellt wurden. Die Medieninformatik zielt somit auf das Arbeitsmarktspektrum der Medienprogrammierung.

Der Begriff Medieninformatik ist ferner durch einige Medieninformatik-Studiengänge an Fachhochschulen vorgeprägt, die entweder geplant oder bereits seit Jahren installiert sind. Diese Studiengänge sind ebenfalls konsistent mit der Vorstellung, daß die Kernkompetenzen eines Medieninformatikers im Bereich Medienprogrammierung liegen.

2.1 Aufgabenfelder der Medieninformatik

Generell zielt die Medieninformatik auf technische Problemstellungen im Kontext neuer Medien.

Vordergründig am sichtbarsten ist die Entwicklung multimedialer Systeme bzw. Produkte; dies umfaßt den Entwurf, die Realisierung und ggf. Installation und laufenden Betrieb. Beispiele derartiger Systeme sind:

Da diese Systeme überwiegend aus Software bestehen, spielt die Software-Entwicklung eine entscheidende Rolle. Oft werden klassische Programmiersprachen durch neuere Sprachen wie Java, Javascript oder Perl ergänzt oder ersetzt. Infolge der hohen visuellen Anteile der Systeme spielen Computer-Graphik oder sogar Computer-Animationen eine wesentliche Rolle. Vielfach sind Audio- und/oder Video-Medien zu erstellen und zu verwalten.

In sehr vielen Fällen sind die Systeme verteilt (WWW-Server, Video-Server, Tele-Teaching usw); hierzu sind Infrastrukturen wie Netze oder Server zu planen, zu konfigurieren und zu überwachen.

Die vorgenannten primären Aufgaben können vielfach wiederum nur rechnergestützt erledigt werden und erfordern hierzu Werkzeuge zur Anwendungsentwicklung, Konfigurierung oder Betriebsüberwachung. Die Entwicklung oder Auswahl, Bewertung und Konfigurierung solcher Werkzeuge ist ein wichtiger sekundärer technischer Aufgabenbereich.

Weiterhin müssen Firmen, Behörden und andere Anwender über die technische Machbarkeit von Systemen beraten werden.

Absolventen des Studiengangs Medieninformatik sollen imstande sein, technisch anspruchsvolle praktische Aufgaben bzw. Forschungsprobleme in den vorgenannten Bereichen zu bearbeiten.

Arbeitsmarkt für Medieninformatiker

Derzeit herrscht generell ein starker Nachfrageüberhang nach Informatikern, insb. auch nach Medieninformatikern. In einschlägigen Berichten über den Arbeitsmarkt wird seit einiger Zeit regelmäßig festgestellt, daß qualifizierte Informatiker ``händeringend gesucht'' werden und daß eine Ausweitung der geschäftlichen Tätigkeit durch den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften verhindert wird. Die Gehälter für frische Informatik-Absolventen sind inzwischen derart angestiegen, daß es schwierig geworden ist, offene BAT IIa-Stellen mit ihnen zu besetzen.

Der Nachfrageüberhang nach Informatikern kann voraussichtlich noch nicht einmal mittelfristig abgebaut werden, da die Anfängerzahlen in der Informatik jahrelang gefallen sindgif, während gleichzeitig die Nachfrage gestiegen ist. Daher sind die Berufsaussichten für Medieninformatiker derzeit und auf absehbare Zeit als sehr gut bis exzellent einzuschätzen.

Grobstruktur der geplanten Medieninformatik an der U.-GH. Siegen

Geplant ist ein Studiengang Angewandte Informatik mit Anwendungsfach Medienwissenschaften, kurz als Medieninformatik bezeichnet. Der formelle Abschluß ist Diplom-Informatikerin bzw. Diplom-Informatiker. Die Einführung wird zum Wintersemester 2000/01 angestrebt.

Die Grobstruktur des Curriculums ergibt sich relativ kanonisch aus den oben beschriebenen Qualifikationsanforderungen bzw. Aufgabenfeldern. Wesentliche Merkmale dieser Struktur sind:

Positionierung im Vergleich zu anderen Studiengängen

(Klassische) Diplom-Informatik:

Der klassische Studiengang Diplom-Informatik bereitet auf Aufgabenstellungen im Medienbereich insofern nicht adäquat vor, als in ihm noch nicht einmal Grundwissen über Medien obligatorisch vermittelt wird. Das Nebenfach, das je nach Standort meist in einem weiten Bereich wählbar ist, ist in der Regel nicht relevant für das Berufsfeld Medien. Im Einzelfall kann das gewählte Nebenfach inhaltlich relevant sein; selbst dann verbleibt als Unterschied, daß der Umfang des Nebenfachs nur in der Größenordnung von 30 SWS liegt, also wesentlich geringer ist als im vorstehenden Mengengerüst ausgewiesen, und daß interdisziplinäre Anwendungsprojekte fehlen.

Gemeinsam haben die klassische Informatik und die Medieninformatik die Grundlagen der Informatik (incl.\ mathematischer Grundlagen) und weite Teile der praktischen Informatikfächer im Hauptstudium; in dieser Hinsicht ist ein Wechsel zwischen beiden Fächern relativ problemlos möglich.

Medienstudiengänge:

Medienstudiengänge - speziell in Siegen zu nennen wäre der Studiengang Medien-Planung, -Entwicklung und -Beratung - decken eher künstlerische, planerische und anwendungsbezogene Teile des Aufgabenspektrums bei der Entwicklung und dem Einsatz neuer Medien ab. Absolventen dieser Studiengänge werden keine fundierten und breiten Kenntnisse in Informatik vermittelt.

Der geplante neue Studiengang Medieninformatik ist im Vergleich dazu wesentlich technischer orientiert. Auch von der Vorbildung her richtet er sich eher an Studenten, die ein deutliches Interesse bzw. Begabung im technischen Bereich haben.

Warum Medieninformatik an der Universität Siegen studieren?

Die generellen Vorteile der Medieninformatik wie

wurden schon oben erläutert. Siegen bietet als Studienort darüber hinaus zusätzliche Vorteile:

4 Weitere Informationen

Aktuelle und detailliertere Informationen zum Studiengang Angewandte Informatik sind in Kürze unter http://www.informatik.uni-siegen.de und über das Dekanat des Fachbereichs 12 der Universität Siegen (Tel. 0271-740-4428) erhältlich.

Literatur

=9999 =2000

1
Brunn, Anke: Vorwort zu [2]

2
``Medienausbildung an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen''; Ministerium für Wissenschaft und Forschung NRW; 1996

3
Podiumsdiskussion zum Thema ``Neue Medien - Neue Ausbildung - Neue Berufschance?'' im Rahmen des Multimediatags, 07.11.1997, U. Siegen

 
Udo Kelter
Praktische Informatik
Fachbereich Elektrotechnik und Informatik
Universität Siegen, 57068 Siegen
kelter@informatik.uni-siegen.de
http://pi.informatik.uni-siegen.de/kelter

...Trends
Beispielsweise wird eine gute WWW-Präsenz eines Unternehmens von manchen Banken als Indiz für technologische Progressivität und daher als bonitätserhöhend angesehen.

...sind
Dies gilt vor allem für den Zeitraum 1995-1998; in den beiden letzten Jahren sind die Anfängerzahlen deutlich gestiegen. Ein wesentlicher Einflußfaktor auf die Entwicklung sind die sinkenden Geburtenzahlen. Ferner hat die Informatik längere Zeit - ähnlich wie andere Ingenieurfächer - bei den Berufsanfängern an Beliebtheit verloren. Über Gründe wie ``Zeitgeist'' oder Technikfeindlichkeit kann man nur spekulieren; vielfach scheinen auch Informationsdefizite und infolgedessen völlig falsche Vorstellungen über das tatsächliche Berufsleben vorgelegen zu haben.

 


Kommentare und Fragen bitte an Udo Kelter, Fachgruppe Praktische Informatik, FB 12, Univ. Siegen,