Die Universität Siegen bietet mehrere,
unterschiedlich ausgerichtete
Informatik-Studiengänge an, und zwar sowohl
Bachelor-Studiengänge (Bachelor of Science, Abk.
BS) als auch Master-Studiengänge (Master of Science,
Abk. MS). Diese Übersicht dient dazu,
Studieninteressierten bei der Wahl des für sie
passenden Studiengangs zu unterstützen, wobei der
Schwerpunkt auf den Bachelor-Studiengängen
liegt.
Informatik ist die Wissenschaft von der systematischen Verarbeitung von Information, insbesondere der automatischen Verarbeitung mit Hilfe von Rechenanlagen. Ein oberflächliches Verständnis der Informatik als Wissensgebiet wird im folgenden vorausgesetzt, gute Einleitungen hierzu sind Artikel auf wikipedia.de und auf den WWW-Seiten der Gesellschaft für Informatik.
Erfolgreiche informationsverarbeitende Systeme kann man nur konstruieren, wenn man das jeweilige Anwendungsgebiet mehr oder weniger gut versteht. Die meisten Informatik-Studiengänge vermitteln daher nicht nur Kenntnisse in Technologien der Informationsverarbeitung, sondern auch in einem Anwendungsgebiet. Man klassifiziert nun die Informatik-Studiengänge danach, ein wie großer Anteil des Studienvolumens für Kenntnisse in dem Anwendungsgebiet investiert wird. Die folgende Tabelle gibt eine vereinfachte Darstellung einer sehr detaillierten Klassifizierung, die die Gesellschaft für Informatik für Bachelor-Studiengänge entwickelt hat:
| Studiengangs-Kategorie | Informatik- Grundlagen | anwendungsnahe Informatik-Inhalte | Grundlagen im Anwendungsgebiet | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Anteile bzw. LP (stark gerundet) | ||||||
| reine Informatik | 100 % | 180 LP | 0 % | 0 LP | 0 % | 0 LP |
| Informatik mit Nebenfach | 75-85 % | 120-135 LP | 5-10 % | 15 LP | 15-25 % | 30-45 LP |
| angewandte Informatik | 40 % | 70 LP | 20 % | 40 LP | 40 % | 70 LP |
| Informatik als Nebenfach | 10-25% | 15-45 LP | 0 % | 0 LP | 75-90 % | 135-165 LP |
"Reine Informatik"-Studiengänge sind eher selten und werden an der Universität Siegen nicht angeboten.
Der Bachelor-Studiengang Informatik fällt in die Kategorie Informatik mit Nebenfach. Von den 180 LP (Leistungspunkten) Gesamtumfang entfallen 140 LP auf die Informatik und 40 LP auf ein Nebenfach. Zur Zeit werden die Nebenfächer Elektrotechnik, Mathematik und Medien angeboten, beantragt werden zur Zeit die weiteren Nebenfächer Automotive Systems Engineering und Business Administration.
Der Bachelor-Studiengang
Wirtschaftsinformatik fällt in die Kategorie
angewandte Informatik. Das Anwendungsgebiet ist
hier die Betriebswirtschaftslehre. (In die
Kategorie angewandte Informatik fällt auch der
auslaufende Studiengang "Angewandte Informatik", der
in drei Varianten angeboten wird, und zwar für die
Anwendungsgebiete Eletrotechnik, Maschinenbau und
Medienwissenschaften. Eine Ersteinschreibung ist
nicht mehr möglich.)
Bei einer angewandten Informatik sind die
Informatik-Inhalte stärker auf das
Anwendungsgebiet fokussiert, während eine
Informatik mit Nebenfach weniger fokussiert ist.
Das folgende Bild zeigt die Unterschiede und
Gemeinsamkeiten am Beispiel der beiden vorgenannten
Siegener Studiengänge:
Informatik als Neben-, Zweit- oder Ergänzungsfach kann in Bachelor-Studiengängen mit Hauptfach Elektrotechnik, Mathematik, Physik, Sprachen u.a. studiert werden. In den meisten Fällen besteht es aus einem Teil des obigen Blocks Informatik-Grundlagen.
Darüber hinaus bietet die Universität Siegen das Studium für das Lehramt Informatik an Gymnasien an. Der reine fachwissenschaftliche Anteil dieses Lehramtsstudiums liegt in Bereich 60 - 80 LP, überwiegend aus dem Block Informatik-Grundlagen, ergänzt um weitere Module der praktischen Informatik. Hinzu kommen die Didaktik der Informatik und weitere unterrichtsbezogene Inhalte. Ein Anwendungsgebiet wird in dem (relativ kleinen) Studienvolumen nicht unterrichtet. Stattdessen ist ein zweites Unterrichtsfach zu studieren.
Lehrämter stellen einen prinzipiell anderen Arbeitsmarktsektor bzw. Beruf dar als die Arbeitsmarktsektoren, die von alle anderen Informatik-Studiengängen adressiert werden. Für ein Lehramt sind pädagogische Interessen und Begabungen zentral, für die anderen Informatik-Berufe nicht; dieses Kriterium erlaubt eine prinzpielle Richtungsentscheidung. Die meisten nachfolgenden Auswahlkriterien sind auf Lehrämter nicht sinnvoll anwendbar.
Generell ist die Fixierung auf ein bestimmtes Anwendungsgebiet bei einer angewandten Informatik deutlich ausgeprägter als bei einer Informatik mit Nebenfach, dies gilt sowohl für einen Wechsel während des Studiums als auch im späteren Berufsleben.
Im Studium ist bei einem Wechsel die Hauptfrage, wieviele bereits erbrachte Studienleistungen verlorengehen. Angewandte Informatiken haben schon ab dem ersten Semester einen hohen Fächeranteil im Anwendungsgebiet und in den anwendungsnahen Informatik-Inhalten. Bereits nach 1 - 2 Semestern erreichen die verlorenen Studienleistungen ein Volumen, das einen Wechsel i.a. verhindert. Ein Nebenfach hat einen weitaus geringeren Anteil, die Verluste erreichen erst nach ca. 3 Semestern ein prohibitives Volumen. Etwas leichter sind Wechsel zwischen Nebenfächern wie Mathematik und Elektrotechnik, die in den ersten beiden Semestern viele thematisch überlappende Mathematikanteile enthalten.
Die Chancen, im späteren Berufsleben das Anwendungsgebiet zu wechseln, sind bei einer Angewandten Informatik eingeschränkter als bei einer Informatik mit Nebenfach, insb. weil die Informatik-Grundlagen wesentlich weniger breit sind. Im konkreten Fall der Wirtschaftsinformatik werden z.B. keine Grundlagen in der technischen Informatik vermittelt, die Chancen, später eine Entwicklertätigkeit z.B. im Bereich eingebettete Systeme, Computergraphik usw. übernehmen zu können, sind daher gering.
Die Wechselmöglichkeiten hängen generell von der allgemeinen Konjunktur- und Arbeitsmarktlage ab. In einem gewissen Ausmaß ist der Gesamtarbeitsmarkt für Informatiker durch die wichtigen Anwendungsgebiete segmentiert, d.h. jemand, der Kenntnisse im jeweiligen Anwendungsgebiet hat, hat bei der Arbeitsplatzsuche Vorteile gegenüber konkurrierenden BewerberInnen, die diese Kenntnisse nicht haben. Relevant ist dies aber nur, solange die Arbeitgeber viele BewerberInnen zur Auswahl haben. In den letzten Jahrzehnten war dies nur selten der Fall, daher fanden InformatikerInnen regelmäßig Anstellungen in einem anderen Anwendungsgebiet als dem, das sie studiert hatten. Weitaus entscheidender als ein exakt passendes Anwendungsgebiet sind gute Kenntnisse im Hauptfach Informatik.
Insgesamt ist eine Informatik mit Nebenfach die bessere Wahl für diejenigen, die noch keine klare Vorstellung vom angestrebten Anwendungsgebiet haben. Mit einer angewandten Informatik besser bedient sind diejenigen, die sich eindeutig für das jeweilige Anwendungsgebiet entschieden haben, denn eine angewandte Informatik bereitet innerhalb des Anwendungsgebiets besser vor, und es muß weniger außenliegender Stoff erlernt werden.
In allen Informatik-Studiengängen erfordern die Informatik-Inhalte ein gutes abstrakt-logisches Denkvermögen (mehr hierzu im vorgenannten Artikel), insofern ergibt sich hieraus kein Entscheidungsmerkmal. Viel deutlicher sind die Unterschiede infolge des Neben- bzw. Anwendungsfachs. Hierbei kommt es weniger auf den quantitativen Umfang an, sondern eher qualitativ auf die Art der Lernstoffe: