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Was machen Informatiker? Kann ich das lernen?

Und was ist von Eignungstests zu halten?


Übersicht:

  1. Die zentrale Frage ``Kann ich das?''
  2. Arten von Anforderungen
  3. Phasen von Software-Entwicklungsprojekten und dabei auftretende Tätigkeiten
  4. Zur Wichtigkeit von Sprach- und Kommunikationskompetenzen
  5. ``Schaffe ich das Studium?''
  6. Eignungstests im WWW
  7. Wie gut kann man Informatik-Berufe mit Elternschaft verbinden?
  8. Weitere Lektüre


1. Die zentrale Frage ``Kann ich das?''

Für alle Schulabsolventen - weibliche wie männliche - , die sich für ein Studienfach interessieren, stellt sich die zentrale Frage, ob man das Studium erfolgreich bewältigen wird. Mathematisch vereinfacht lautet die Frage, ob die eigene Leistungsfähigkeit größergleich den Leistungsanforderungen ist. Verbreitet sind sehr fehlerträchtige ad-hoc-Methoden zur Einschätzung
  • der eigenen Leistungsfähigkeit: z.B. anhand von Schulnoten - Schulnoten sind in vielen Fällen wenig aussagekräftig
  • der Anforderungen: hier werden vielfach völlig ungeeignete Quellen benutzt.
Die mit solchen Methoden gewonnen Resultate sind sehr unzuverlässig. Seriöser und zuverlässiger erscheinen dedizierte fachbezogene Tests. Im deutschsprachigen WWW findet man eine ganze Reihe von Selbsttests für angehende Informatiker. Allerdings muß auch hier eindrücklich gewarnt werden: die meisten Selbsttests können zu völligen Fehleinschätzungen führen.

Ziele dieses Beitrags sind:

  1. einige verbreitete Irrtümer zu korrigieren, worin die Anforderungen von Informatik-Berufen und -Studiengängen bestehen,
  2. geeignetete Eignungstests zu beschreiben und
  3. Hinweise zu geben, wie die Ergebnisse von Eignungstests zu interpretieren sind.

2. Arten von Anforderungen

Bei der Frage nach den Anforderungen, die sich in einen Beruf stellen, müssen zwei Aspekte unterschieden werden:
  1. die Anforderungen des Studiums
  2. die Anforderungen bei der späteren Berufsausübung
Beides hängt natürlich eng zusammen, ist aber keineswegs identisch. Im Studium müssen bestimmte Lernschritte durchlaufen werden, es kommt hier auf die Fähigkeit an, effizient zu lernen. Speziell in den Anfangsphasen eines Studiums muß viel Grundwissen erworben werden, die praxisnahen Anteile liegen eher am Ende des Studiums. Der Charakter der Lerninhalte ändert sich also auch während des Studiums.

Sehr viele Tests sind überwiegend oder sogar ausschließlich auf die Anforderungen des Studiums oder die ersten Abschnitte des Studiums fokussiert. Das Studium kommt zwar zuerst, aber auf Dauer ist der Berufsalltag wichtiger. In diesem Beitrag werden wir daher eher die Perspektive des Berufsalltags betonen.

Sinn und Unsinn der Frage ``Was macht ein Informatiker''

Aus der Perspektive des Berufsalltags lautet die Eignungsfrage: ``Was macht ein Informatiker, und schaffe ich das?''

Diese Frage kann nicht einfach mit ja oder nein beantwortet werden. Um dies zu verstehen, machen wir Anleihen bei einem Bereich, der (hoffentlich) besser intuitiv bekannt ist, nämlich dem Bau eines Hauses. Die analoge Frage würde hier lauten: ``Was macht ein Häuslebauer, und kann ich das?''

Es gibt Dutzende von Berufen, die bei einem Haubau einer Rolle spielen. Die Liste der spezielleren Berufe, die irgendwie mit Steinen zu tun haben, ist immer noch recht lang:

  • Architekt
  • Statiker
  • Maurer
  • Verputzer
  • Betongießer
  • Fliesenleger ......
Gemeinsam ist diesen Berufen das Fachwissen über Steine. Trotzdem unterscheiden sie sich ganz erheblich und bedingen sehr unterschiedliche Fähigkeiten. Ein Architekt kennt die Kosten und Wärmedämmeigenschaften unterschiedlicher Steinsorten und berät seine Kunden über Steine, faßt aber selten einen Stein an. Der Statiker interessiert sich nur für die Druckfestigkeit von Steinen. Der Maurer verarbeitet Steine zu Mauern, der Betongießer stellt im Prinzip sehr große Formsteine aus Beton her.

Die entscheidende Erkenntnis ist: Es gibt nicht den einen Häuslebauer-Beruf! Die Bandbreite der Tätigkeiten ist viel zu groß, niemand führt alle Tätigkeiten gleichzeitig aus. Insofern ist die Frage ``Kann ich das alles?'' sinnlos.

Zwischen Informatikern und Häuslebauern kann man viele Analogien ziehen:

  • Häuslebauer konstruieren Häuser.
    Informatiker konstruieren (meistens) Softwaresysteme.
  • Häuser bestehen aus Steinen, Balken, Fliesen und anderen Bauteilen.
    Software besteht aus vielen kleinen und großen, unterschiedlichen Komponenten, angefangen von einzelnen Anweisungen einer Programmiersprache bis hin zu komplexen Funktionsblöcken, Betriebssystemen, Datenbanken usw.
Analog zu Häuslebauern gilt: Es gibt nicht den einen Informatik-Beruf! Stattdessen gibt es Dutzende von verschiedenen speziellen Informatik-Berufen, die alle auf einem gemeinsamen Grundwissen aufbauen.

Die richtige Frage

Auch bei der Informatik sind Fragen wie ``Kann ich das alles? Bin ich für die Informatik geeignet?'' zu pauschal. Eine sinnvolle Frage ist:

Gibt es unter den Informatiker-Berufen und -Tätigkeitsbereichen einige, für die ich geeignet bin?''

Hierzu sollte man die Tätigkeitsbereiche, die bei der Entwicklung von Softwaresystemen anfallen, grob verstehen und unterscheiden können. Zur Untergliederung bieten sich zwei Ansätze an:

  1. Untergliederung nach den Phasen eines Entwicklungsprojekts
  2. Untergliederung nach Anwendungsgebieten und zugehörigen Studiengängen / Studienrichtungen, z.B. technische Informatik, Medieninformatik u.a.
Zumindest in den Bachelor-Studiengängen spielt das Nebenfach bzw. Anwendungsgebiet nur eine Nebenrolle und macht nur ca. 25 % des Studienvolumens aus. Wegen der Vielfalt der Themen ist gleichzeitig eine Beschreibung platzraubend. Daher ziehen wir hier eine Untergliederung nach den Phasen eines Entwicklungsprojekts vor.

3. Phasen von Software-Entwicklungsprojekten und dabei auftretende Tätigkeiten

Übersicht

Wir wollen auch hier wieder den Bau eines Hauses zum Vergleich nutzen. Wir können mehrere Realisierungsstufen oder ``Phasen'' eines Hausbaus unterscheiden:
  1. Analyse: der Kunde kommt mit einer groben Idee zum Architekten, man analysiert die Machbarkeit, Finanzierbarkeit, Baurecht usw., fertigt Pläne im Maßstab 1:100 und ggf. Pappmodelle an
  2. Entwurf: die groben Pläne werden zu detailreicheren 1:50-Plänen verfeinert, hinzu kommen Statik und ggf. weitere Detailangaben
  3. Bauen: hier fallen diverses Gewerke an, die die vorher entworfenen Pläne realisieren
  4. Einzug etc.

Bei der Entwicklung eines Softwaresystems treten Realisierungsstufen bzw. ``Phasen'' auf, die in sogenannten Vorgehensmodellen genauer definiert sind und die in vieler Hinsicht ähnlich zu dem Vorstehenden sind:

  1. Analyse: der Kunde kommt mit einer groben Idee zum Informatiker, dieser analysiert die Machbarkeit, Finanzierbarkeit, usw., fertigt Pläne, digitale Prototypen oder Systemmodelle an; ggf. wird schon eine erste Version des Benutzerhandbuchs geschrieben
  2. Entwurf: Das System wird in Komponenten bzw. Funktionsblöcke aufgeteilt, deren Schnittstellen untereinander werden festgelegt. Das Ergebnis nennt man oft ``die Architektur'' des Systems. Danach werden die einzelnen Komponenten detailliert spezifiziert, z.B. wird die Bedeutung von einzelnen Datenfeldern festgelegt.
  3. Detailprogrammierung und Testen kleinen Komponenten
  4. Integration der Komponenten und Gesamttest
  5. Auslieferung, Installation beim Kunden, Anwenderschulung
Die Tätigkeiten in den einzelnen Phasen unterscheiden sich erheblich: in den späten Phasen (Detailprogrammierung, Integration) wird überwiegend programmiert. In den frühen Phasen wird nur in sehr geringem Umfang programmiert, weit überwiegend fallen hier beratende und planende Tätigkeiten an. Mehr hierzu später.

Aufwandsverteilung auf die Phasen

Sehr verbereitet ist die - falsche - Meinung, Informatiker würden nur programmieren, also fast ausschließlich in den Phasen Detailprogrammierung, Integration oder Installation / Betrieb arbeiten. Die Realität ist eher umgekehrt. Die folgende Tabelle zeigt Statistiken, wie in zwei großen Unternehmen die Arbeitszeiten von Entwicklern auf die Phasen verteilt waren:

Phase Unternehmen A Unternehmen B
Analyse + Definition 18% 30%
Entwurf 19% 30%
Codierung 34% 15-20%
Test 29% 20-25%

Diese Statistiken sind schon älter und basieren auf Daten über ``normale, übliche'' Projekte, bei anderen Unternehmen, neueren Methoden und anderen Branchen sind abweichende Verteilungen denkbar. Auf diese Details kommt es aber nicht an, wesentlich sind folgende Beobachtungen:

  1. Die frühen Phasen machen einen ganz erheblichen Teil der Arbeitszeit von Informatikern aus.

  2. Die frühen Phasen beeinhalten vor allem analysierende, planende und beratende Tätigkeiten, die späten Phasen vor allem technologiezentrierte Tätigkeiten. Je nach Phase werden daher deutlich andere Kompetenzprofile benötigt.

  3. Die Arbeitsumfänge in den einzelnen Phasen sind so umfangreich, daß sich Spezialisierungen herausbilden, die teilweise eigene Berufsbezeichnungen benutzen.

    Beispielsweise versteht man unter ``Systemanalytikern'' Informatiker, die sich auf die Analysephase spezialisiert haben. Andere Informatiker werden Spezialisten für Datenbanken oder eine andere Technologie. Die meisten Arbeitsplätze weisen indes eine Mischung von Tätigkeiten aus allen Phasen auf.

Historisch gesehen war der Informatiker-Arbeitsmarkt fast immer von einem Mangel an qualifiziertem Personal geprägt. Unterstellt man einen solchen ``normalen'' Arbeitsmarkt, dann hat jemand mit einer fundierten und breiten Ausbildung in Informatik nach dem Studium fast immmer die Auswahl unter unterschiedlich fokussierten Stellen. Die Antwort auf die Frage ``Was macht ein Informatiker?'' hängt daher sehr von der persönlichen Orientierung ab. Die beste Antwort ist die Gegenfrage: ``Was darf es denn sein?''

4. Zur Wichtigkeit von Sprach- und Kommunikationskompetenzen

Der hohe Anteil an planenden und beratenden Tätigkeiten in Informatik-Berufen ist in der Öffentlichkeit so gut wie unbekannt. Daher wird die Wichtigkeit von Sprach- und Kommunikationskompetenzen stark unterschätzt.

Kommunikation in der Analysephase

In der Analysephase spielen Informatiker oft eine vergleichbare Rolle wie ein Architekt. Viele Bauwillige, die zum Architekten kommen, hätten gerne für wenig Geld ein schönes Haus in guter Lage, natürlich energiesparend und mit neuster Technologie, ein extra Besucherzimmer wäre auch nicht schlecht. Ein Architekt hat hier die delikate Aufgabe, den Kunden auf den harten Boden der Tatsachen herunterzubringen, die lange Liste der Wünsche auf das wirklich notwendige, sinnvolle und finanzierbare zu reduzieren und nach einer kostengünstigen Lösung zu suchen.

Zum Informatiker kommt bisweilen auch ein Kunde, der gerne eine richtig gute Software hätte, intuitiv zu bedienen, installiert sich von alleine, ist jedenfalls besser als die Software von der Konkurrenz, und ist nicht teuer, wiegt ja schließlich fast nichts. Die Herstellung des Bodenkontakts ist auch hier ein delikate Aufgabe für den Informatiker und verlangt Fingerspitzengefühl.

Die Systemanalyse wird im Englischen als Requirements Engineering bezeichnet, was mit Aushandeln bzw. Ausarbeiten von Anforderungen übersetzt werden kann. Diese Prozesse sind aufwendig, das erklärt auch die hohen Aufwandsanteile der Analysephase.

Um die Anforderungen zu erfassen und wirklich zu verstehen, werden viele Gespräche, ggf. sogar als formelle Interviews, mit den Auftraggebern und den geplanten Nutzern geführt. Typische kommunikative Herausforderungen sind hier:

  1. Ein Kunde lebt in seiner Begriffswelt und benutzt die gewohnten Begriffe - dazu hat er ein gutes Recht. Von Informatikern wird verlangt, sich rasch in die Begriffswelt und Fachdomäne des Kunde einzuarbeiten, um überhaupt effizient mit Kunden kommunizieren zu können. Dies erfordert - sozusagen als Meta-Kompetenz - eine hohe Lernbereitschaft und -Fähigkeit.

  2. Ein Kunde meint oft etwas anderes als er wörtlich sagt. Von Informatikern wird erwartet, sich in den Kunden hineinzudenken und dessen wirkliches Problem und den echten Bedarf zu verstehen. Man muß zuhören können und sich ggf. durch richtiges Nachfragen wie ein Reporter an ``die Wahrheit'' herantasten.

  3. Bei der Erfassung von Anforderungen muß sehr oft ad hoc entschieden werden, ob diese überhaupt bzw. zu vertretbaren Kosten realisierbar sind. Insofern besteht die Systemanalyse teilweise aus Kundenberatung. Während der Systemanalyse müssen oft schon Grundzüge der Lösung (Fertighaus in Holzrahmenbauweise oder konventionell gemauertes Haus?) entschieden werden, weil die detaillierten Anforderungen davon abhängen. Insofern werden die Systemanalyse und initiale Entwurfstätigkeiten parallel ausgeführt und insofern müssen Systemanalytiker viel Erfahrung im Entwurf und der Implementierung von Softwaresystemen haben. Informatiker müssen die Lösungsansätze bzw. Technologien den Kunden einführend erklären können, so ähnlich wie ein Arzt einem Laien die Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten erklären können sollte - einfach nur platt auf einen Kundenwunsch zu antworten ``geht nicht'' ist wenig überzeugend.

Kommunikation im Projektteam

Eine andere Art von Kommunikationskompetenz wird innerhalb des Projektteams benötigt. Nahezu alle Entwicklungsprojekte benötigen mehrere Entwickler, kleine Projekte 3 - 5 Personen, große Projekte Dutzende oder Hunderte. Bestimmte Teammitglieder werden ggf. wegen spezieller Spezialkenntnisse benötigt. Beim Entwurf und bei der Implementierung wird die Arbeit meist auf mehrere Entwickler verteilt, um schneller fertig zu werden.

Innerhalb des Projektteams werden neben den Themen, die zur Systemanalyse gehören, vor allem technische Lösungsansätze diskutiert. Ein bestimmtes Problem kann oft auf die eine oder andere Art gelöst werden, die Vor- und Nachteile der Lösungsansätze sind nicht immer offensichtlich oder allen bekannt. Ziel von technischen Diskussionen ist daher, den gemeinsamen Wissensstand des Teams anzuheben, bessere Ansätze zu erarbeiten und letztlich im Team einen Konsens über den zu verfolgenden Ansatz zu finden.

Technische Diskussionen erfordern neben allgemeiner Sprachkompetenz, komplizierte technische Sachverhalte gut erklären zu können.

Problematisch sind Entwickler, die auf stur den von ihnen bevorzugten Lösungsansätzen insistieren und nicht kompromißfähig sind. Teamfähigkeit - also eine soziale Kompetenz - wird daher in Stellenanzeigen regelmäßig mit erster Priorität verlangt.

Technologische Kompetenzen

Die vorstehende Betonung, wie wichtig die Kommunikation mit Kunden oder mit Teammitgliedern ist, bedeutet natürlich nicht, daß die technologische Kompetenzen unwichtig wären. Kernkompetenz von Informatikern ist die sichere Beherrschung von Technologien, mit denen man qualitativ hochwertige Softwaresystemen realisiert. Hierzu müssen Programmiersprachen, Modellierungssprachen, Datenbankabfragesprachen etc. im Studium erlernt werden, ferner die internen Funktionsprinzipien von Betriebssystemen, Rechnernetzen, Grapikprozessoren und diversen anderen Systemkomponenten. Dies ist offensichtlich und braucht hier nicht vertieft zu werden.

5. ``Schaffe ich das Studium?''

Ob man ein Studium schafft, hängt von vielen Faktoren ab, u.a.:
  1. von den persönlichen Begabungen und Talenten,
  2. von den Vorkenntnissen, die ein Studiengang bei Studienanfängern unterstellt,
  3. von der Gestaltung des Studiums durch die Universität, u.a. von der Unterstützung bei Lernproblemen, und
  4. - mit weitem Abstand am wichtigsten - vom Arbeitseinsatz und vom Willen, es zu schaffen!
Die persönlichen Begabungen sind nur sehr eingeschränkt an den Schulnoten ablesbar; gute schulische Leistungen sind ein starkes Indiz für gute einschlägige Begabungen, schlechte Leistungen oder gar keine Leistungen, weil Fächer abgewählt wurden, sagen wenig aus. Wenn irgend möglich, sollte man an einem wissenschaftlich fundierten Begabungstest (Potentialanalyse) teilnehmen.

Die Vorkenntnisse, die in Informatik-Studiengängen vorausgesetzt werden, werden oft falsch eingeschätzt:

  • Ein Informatik-Grundkurs wird bei den Informatik-Studiengängen der Universität Siegen definitiv nicht vorausgesetzt. D.h. die Informatik-Lehrinhalte werden vom Stande Null aus aufgebaut. Ein Teil der Studierenden hat Vorkenntnisse durch Informatik-Grundkurse, eine Fachinformatiker-Ausbildung oder sonstige Quellen. Dies erleichtert und beschleunigt natürlich das Studium, allerdings i.w. nur in den beiden ersten Semestern.

  • Die Informatik erfordert ein ausgeprägtes abstrakt-logisches Denkvermögen. Personen mit dieser Fähigkeit sind meistens gut in Mathematik, Physik und, wenn es dieses Schulfach gäbe, in Jura. Mathematik und Informatik haben sogar gemeinsame Gebiete, z.B. die Logik und teilweise die Algebra. Numerik, Integralrechnung, Wahrscheinlichkeitstheorie und andere Teilgebiete der Mathematik sind wenig relevant für die Informatik. Insofern muß man Mathematiknoten sehr sorgfältig einschätzen, ebenso entsprechende Anteile von Potentialanalysen.
Empfehlenswert ist auf jeden Fall, an den Informatik- und/oder Mathematik-Vorkursen teilzunehmen, sofern es zeitlich möglich ist. Selbst bei guten Vorkenntnissen verschafft man sich so eine zusätzliche Erleichterung und zeitliche Reserven.

6. Eignungstests im WWW

Im deutschen WWW finder man eine ganze Reihe von Eignungstests, die Dauer variiert zwischen 0.5 - 3.5 Stunden. Themen sind i.d.R.:
  • Technische Informatik
  • Theoretische Informatik
  • Praktische Informatik
  • Mathematik
  • Allgemeinwissen
  • Soft Skills

Die Tests sind generell mit sehr großer Vorsicht zu betrachten, vor den meisten Tests kann man nur eindrücklich warnen:

  1. Es werden meist einseitig die mathematischen Fähigkeiten getestet, Sprach- und Kommunkationskompetenzen werden meist gar nicht abgedeckt. Indirekt suggerieren die Tests ein extrem verengtes und daher völlig falsches Berufsbild.
  2. Wie oben schon dargestellt ist nur ein Teil der Mathematik wirklich relevant für die Informatik - zwischen den relevanten und wenig relevanten Teilen wird meist nicht sauber getrennt.
  3. Das Niveau der Tests ist teilweise völlig überzogen, die Aufgaben sind teilweise nur bei gründlicher mathematischer Denkschulung lösbar (Talent alleine reicht nicht), die im Studium erst nach dem 2. Semester erreicht wird.
  4. Ähnliches gilt für Aufgaben zu den technischen Grundlagen der Informatik. Diese Themen sind im Regelfall kein schulischer Lernstoff.
  5. Die Auswertung der Testergebnisse sollte mit einer qualifizierten Beratung verbunden sein. Wenn die Voraussetzungen im Einzelfall nicht optimal sind, sollte man nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern nach einer individuell passenden Spezialisierung in der Informatik suchen und die erkannten Schwachpunkte gezielt kompensieren.

7. Wie gut kann man Informatik-Berufe mit Elternschaft verbinden?

Pauschale Antwort: weitaus besser als bei vielen anderen Berufen, vor allem solchen, die man nur in Laboren oder or Ort bei Kunden ausüben kann.

Etwas differenzierte Antworten:

  • Es hängt vor allem vom Arbeitgeber ab. Wegen des notorischen Arbeitskräftmangels sind Arbeitgeber bei Informatikern deutlich entgegenkommender als bei Berufen, wo es Arbeitssuchende im Überfluß gibt.
  • Dank allgemeiner Vernetzung und billig gewordener Hardware kann man viele Entwicklungstätigkeiten auch von zuhause aus ausführen. Dies gilt z.B. für Entwurfs- und Implementierungstätigkeiten, weil man hier die Kontaktzeiten im Team auf ca. 20% der Gesamtarbeitszeit herunterfahren und die meisten Arbeiten in freier Zeiteinteilung zuhause abarbeiten kann und weniger aufwendige Absprachen per Telefon und/oder Video-Übertragung mit Teammitgliedern. Für Kundeninterviews gilt dies natürlich nicht.
  • Ingesamt bieten sich speziell für Frauen, die ihre Kinder längere Zeit stillen bzw. aufziehen wollen und währenddessen die eigene fachliche Kompetenz und die beruflichen Kontakte nicht verlieren wollen, in der Informatik weitaus bessere Chancen als in fast allen anderen Berufen.

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Stand: 2011-10-07