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Kuhrmann, Marco: Konstruktion modularer Vorgehensmodelle -- Methodisches Erstellen und Pflegen von Entwicklungsstandards und Vorgehensmodellen für Prozessingenieure; Dissertation, Technische Universität München; 2007
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Deskriptoren: CVSM

Abstract: Die Definition und Einführung eines Vorgehensmodells ist ein anerkanntes Verfahren zur Etablierung von effizienten Projektstrukturen und deren kontinuierlicher Verbesserung. Vorgehensmodelle helfen, die vielfältigen Aufgaben bei der Entwicklung komplexer Software zu strukturieren. Durch die Beschreibung bewährter Praktiken in strukturierter Form und die Beschreibung zu erstellender Ergebnisse unterstützen sie Mitarbeiter bei der Einplanung und Durchführung von Projektaufgaben. Viele Unternehmen haben daher bereits Vorgehensmodelle eingeführt, beziehungsweise sind bestrebt, ihre Prozesse zu definieren und in Form eines Vorgehensmodells niederzuschreiben. Dabei entstehen neben etablierten Standardprozessen wie dem V-Modell XT auch vielfältige individuelle, firmeninterne Vorgehensmodelle.

Aufgrund der Breite der verfügbaren Vorgehensmodelle ist in vielen Bereichen eine Harmonisierung der Prozesse erforderlich. Vorgehensmodelle werden daher in vielen Situationen organisations- oder projektspezifisch angepasst. Diese Variantenbildung verläuft in weiten Bereichen nicht ausreichend strukturiert. Bei der Aktualisierung der Ausgangsprozesse, zum Beispiel durch eine neue Version des Prozesses, entstehen hier zwangsläufig Konsistenzprobleme zwischen dem (neuen) Ausgangsmodell und den eingesetzten Varianten. Verschiedene Lösungsansätze aus Forschung und Industrie versuchen, die entstehenden Probleme mit ingenieurmäßigen Grundsätzen zu lösen. Eine weit gehende Modularisierung von Vorgehensmodellen mit definierten Anpassungs- und Pflegeprozessen wird als viel versprechend angesehen. In Anlehnung an Produktlinienansätze wird deshalb auch im Bereich der Vorgehensmodelle angestrebt, Entwicklungsstandards zu etablieren. Sie fassen eine Menge bewährter Konzepte und Inhalte zusammen und stellen die Grundlage für eine Prozess-Plattform dar. Bereitgestellte Komponenten der Plattform werden durch verschiedene Versionen und Varianten gemeinsam genutzt.

Kernthema dieser Arbeit ist die methodische Konstruktion von Vorgehensmodellen im Kontext von Entwicklungsstandards für die Software-Entwicklung. Wir beschreiben dazu ein Konzept zur konfigurationsbasierten und modularen Entwicklung von Vorgehensmodellen auf der Grundlage einer standardisierten Plattform. Die Plattform enthält einerseits Strukturkonzepte in Form eines Vorgehensmetamodells, andererseits Lebenszykluskonzepte in Form eines Prozessmodells, das die Entwicklung und Pflege von Vorgehensmodellen beschreibt. Diese Teile führen wir im integrierten Modellierungsansatz für Vorgehensmodelle (IMV) zusammen und bieten somit Prozessingenieuren eine methodische Unterstützung für die Erstellung und Pflege von Vorgehensmodellen.

Physisch eigenständige Prozesskomponenten stellen die Grundlage dieser Arbeit dar. Sie definieren die Einheiten zur Bearbeitung von Prozessinhalten und ermöglichen die strukturierte Beschreibung von Teilprozessen. Weiterhin sind sie die Einheiten der Anpassung und der Verteilung. In dieser Arbeit beschreiben wir Prozesskomponenten präzise im Rahmen eines Metamodells. Das Metamodell ist struktureller Kern einer konfigurationsbasierten Plattform. Auf den Strukturanteilen aufbauend geben wir Prozesse an, die die Entwicklung und Pflege von Prozesskomponenten und Vorgehensmodellvarianten im Kontext der Prozess-Plattform beschreiben. Sowohl das strukturelle Metamodell als auch die Prozesssammlung sind flexibel erweiterbar.

Die Ergebnisse werden anhand verschiedener Beispiele präsentiert und auf Anwendbarkeit hin überprüft. Durch das V-Modell XT, das als Referenz für die Beispiele dient, steht auch ein Bezugsrahmen zur Einordnung zur Verfügung.